§9

SCHOPENHAUER

Wenn man herumfragt, wer "Schopenhauer gelesen" hat, so erhält man

merkwürdigen Bescheid. Der überwiegende Teil jener Leser, die sich für

Kenner halten, antworten auf die nähere Frage: was denn eigentlich ...?

"Die Aphorismen zur Lebensweisheit." Nun hat Schopenhauer bekanntlich

im Vorwort zu dieser Schrift ausdrüclich gesagt, er habe, um sie über-

haupt schreiben zu können, "gänzlich abgehen müssen von dem höheren

metaphysisch-ethischen Standpunkte, zu welchem meine Philosophie hin-

leitet". Denn diese kommt bekanntlich zu dem Ergebnis, daß das Nicht-

Sein dem Da-Sein entschieden vorzuziehen sei, und das Leben etwas, was

eigentlich nicht sein sollte. Aber davon sähe er jetzt ab und stelle sich auf

den rein empirischen Standpunkt, daß das Leben nun einmal da ist, und

es handle sich darum, es nun so glücklich wie irgend möglich durchzu-

stehen. Und nun kommen die für jedermann unvergeßlichen Abschnitte

Von dem, was Einer ist, Von dem, was Einer hat, und Von dem, was Einer

vorstellt. Kein akademischer Lehrer wird so etwas schreiben , aber der

Verfasser könnte ebensogut Marc Aurel sein. Mit Schopenhauers Philo-

sophie hat das nichts zu tun.

Die zweite Lesergruppe gehört der Generation unserer Großväter an,

denn die heutige, die in einem wahrhaft unbegründeten Optimismus auf-

gewachsen ist, hat dafür keinen Sinn. Man hat gesagt: Schopenhauers

Philosophie sei um des Pessimismus willen und aus ihm heraus entstanden,

nicht umgekehrt, und das dürfte zutreffen. Es gibt aber einen lehrreichen

Pessimismus, und das ist der schopenhauerische in hohem Grade. Auch

ist er nicht gemein. Er leugnet ja nicht, daß Taten echten Edelmutes in der

Menschheit vorkommen, er ist also nicht nihilistisch, sondern er setzt nur

deren Häufigkeit auf ein Minimum an, und damit dürfte er recht haben.

Seine unverkennbare Spur hat diese Auffassung in Jakob Burckhardts

Lebenswerk hinterlassen, besonders in den Weltgeschichtlichen Betrach-

tungen, wo wir auf Schritt und Tritt den Spuren "unseres Philosophen"

begegnen. - Die sentimental-pessimistischen Leserkreise Schopenhauers

dürften im Jubel des europäischen Aufstieges von damals untergegangen

sein; jedenfalls hört man kaum noch etwas von ihnen.

Worauf man aber nirgends stößt, das ist die Anerkennung der wahrhaft

großen und unvergänglichen Verdienste, die sich Schopenhauer - eine

markante Philosophenge stalt - um die Philosophie selber erworben hat.

Dies nun wäre die Aufgabe der akademischen Philosophie. Aber die ver-

harrt in unverbrüchlichem Schweigen. Es ist eine eigene Sache um den

Klüngel; wer einmal dazugehört, der handelt nach den stillschweigenden

Parolen, die hier gegeben werden, auch wenn er weiß, daß sie unsinnig sind.

Zweifellos drückt sich darin eine Art Vergeltung für Schopenhauers zum

Teil rüden und ungerechten Angriff gegen die ,,Universitätsphilosophie"

aus, der ganz kolossal nachhaltig gewirkt hat. Man hat das nicht vergessen,

obwohl Schopenhauer - der in einer gewissen Zeitspanne seines Lebens

gar zu gerne ,,Universitätsprofessor" geworden wäre - später milder und

im ganzen gerecht urteilte (Ganz im Gegensatz zu Eugen Dühring, der jeden

"Professor"für einen geistigen Betrüger hielt). Und es ist in der Tat absurd,

wollte man einen ganzen Stand philosophischer Gelehrter, die ganz unent-

behrlich sind, deshalb verfemen, weil die Natur nun einmal mit dem Philoso-

phen selber so ungeheuer sparsam umgegangen ist. Schopenhauer konnte mit

Recht auf sich als auf einen von der Natur Begnadeten gegenüber den gelernten

Akademikern hinweisen; geistiger Hochmut ist, wenn berechtigt, immer eine

schöne Sache, aber er hätte ja auf die Ausübung jenes Rechtes auch ver-

zichten können und wäre dadurch nicht gemindert worden. Daß er es nicht

tat, hatte zur wenigstens verständlichen Folge, daß man ihn akademischer-

seits während seines Lebens desavouierte. Aber, auch den Ruhm des Toten

zu kaschieren, das ist einer Akademie nicht würdig. Wie anders haben

hier die Juden gegenüber dem Antisemiten Schopenhauer gehandelt! Man

kann diesem Volke überhaupt bestätigen, daß es nicht nachtragend ist.

Mit zu den ersten, die es wagten, auf Schopenhauer hinzuweisen, gehörte

der Jude Dr. G. W. Körber, Gymnasiallehrer und Dozent an der Univer-

sität Breslau; ich habe den Dankesbrief` den Schopenhauer dem redlichen

Manne dafür schrieb, oft in den Händen seines Enkels, des Sanitätsrates

Dr. Heinrich Körber, der ihn sorgsam bewahrte, bewundern können. Ein

akademischer Lehrer vom Range Alois Riehls formulierte den Standort

seines Standes einmal mit den Worten: Wir sind nicht selber Philosophen,

aber wir sind Kenner der Philosophie. Das freilich sind die meisten Philo-

sophen nicht. Wie aber will ein Kulturvolk ohne diese Kenner aus-

kommen? - Indessen das Ressentiment des Klüngels hat sich bisher noch

nicht zu diesem Standpunkt erhoben. Von Schopenhauer zu schweigen in

dem Maße, wie es bisher geschah, ist etwa dasselbe, als wollte man unter

den vier bis fünf großen Astronomen von Kopernicus bis Newton den

Johannes Kepler einfach auslassen. So aber mindestens liegt das Größen-

verhältnis.

Es ist leicht, Kant-Scholastik zu treiben und, von Seminar zu Seminar

emporgestiegen, schließlich ein starkes Buch über "Das Problem der

Erkenntnis" (ich meine hier kein besonderes) mit undurchdringlichem

Anmerkungsschwall und kaum verständlichem Deutsch herauszubringen;

aber es ist ungeheuer schwer, einen neuen Gedanken zu ertragen, beson-

ders, wenn er einfach ist. Nun sind in der Philosophie im Gegensatz zur

Naturwissenschaft neue Gedanken sehr selten. Um so erschreckender

wirken sie, und ihr Träger lädt - mit "gesellschaftlicher Notwendigkeit"

könnte man sagen - das volle Tabu des Klüngels auf sich, der sich gefähr-

det fühlt. Indessen wäre es gerade die Aufgabe der Akademien - wenn

anders sie der Wahrheit allein dienen wollen -, diesem natürlichen, aber -

verwerflichen Instinkt der Selbsterhaltung entgegenzuarbeiten. Aber frei-

lich: Ortega y Gasset wies schon 1932 auf die "ungeheuerliche Tatsache"

hin, "daß die Universitäten in Europa aufgehört haben, eine geistige Macht

zu sein". Heute ist es zu spät, denn heute glaubt niemand mehr an eine

restitutio in integrum, und der Niedergang seitdem ist noch gewaltiger

geworden. Alle Hoffnung auf die Zukunft ruht heute auf den Schultern

Einzelner.

In Deutschland, dem Lande der Denker, auf das man in dieser Hinsicht

am meisten blickt, hat der unaufhaltsame Niedergang der Universität 1913

begonnen, weil damals der Niedergang von allem begann. Vergleicht man

die wahrhaft königliche Serie akademischer Lehrer - weitgehend Berufun-

gen Kaiser Wilhelms II.-, die damals ihren Einfluß auf die Jugend aus-

übte, mit dem, was nachher kam, so ist der Einbruch des Unterwertigen

schon erschreckend. Dann kam noch eine Welle höherer Art, die durch den

Einfluß Stephan Georges auf die Lehrstühle stieg - dann aber geht es

unaufhaltsam bergab. Hieran ist natürlich nicht allein der Ausfall staat-

licher Autorität schuld, sondern die allgemeine Zunahme der bloß tech-

nischen Wissenschaften mit ihren Instituten auf Kosten der allein für eine

universitas litterarum maßgebenden Wissenschaften höherer Art.

 

§ 10

WILLE UND TRIEB

Entschlossene Kantianer haben noch um die Jahrhundertwende be-

hauptet, es gäbe nur bewußten Willen, alles andere sei "blinder Trieb".

Da fiel die Entdeckung Freuds, der fand, daß hinter den Krankheits-

symptomen der Hysteriker sich unbewußte psychische Komplexe ver-

bargen, die, wenn man sie durch Analyse hervorholte, keineswegs von

blinder Triebstruktur waren, sondern von Vorstellungen geprägte Gebilde,

bei denen - sich nur das Bewußtsein hat zurückziehen müssen, weil sie für

dieses unerträglich waren. Sie glichen etwa photographischen Platten, die,

eine Sekunde lang belichtet, eben dadurch eine Prägung erfuhren, die, zu-

nächst unsichtbar, erst durch den chemischen Prozeß der Entwicklung

zutage tritt. Der Kranke handelt und leidet also auf Grund eines psychi-

schen Antriebes, der Trieb + Vorstellung Wille ist minus Bewußtsein,

also "unbewußter Wille" ist. Das aber gibt es in der ganzen Natur, und auch

das physiologische Unbewußte ist so geartet. Der Vogel baut sein Nest

nicht aus blindem Trieb, sondern aus Willen. Die Vorstellung "Nest" ist

bei ihm unbewußt vorhanden und regiert sein Tun. Das Bewußtsein fällt

hier fort, weil es das in der Natur außerhalb des Menschen überhaupt nicht

gibt. Schopenhauers Konzeption ist damit gerechtfertigt. Reiner Trieb

kommt übrigens in der Natur so wenig vor wie reine Sinneseindrücke. In

der Brunft des röhrenden Hirsches steckt immer die Hirschkuh drin, im

Hunger des Wolfes das Beutetier. Und wie es bei diesen nur Wahrnehmun-

gen gibt (mit einem noch so verworrenen Wahrheitsstempel), so dort nur

Wille mit einem Vorstellungsstempel.

 

§ 11

VON DEN ELIMINATEN DER NATUR

Liest man in einem Werke des Paracelsus und schlägt hinterher ein

Lehrbuch der modernen Naturwissenschaft auf, so springt einem sofort

eines in die Augen: diese beiden stehen in keinerlei Entwic klungsverhältnis

zueinander. Paracelsus ist gegenüber der Naturwissenschaft so wenig rück-

ständig, wie es Goethes Farbenlehre gegenüber der modernen Optik ist.

Es sind zwei gänzlich verschiedene Griffe in dieselbe Urne. Paracelsus

würde ein Heilkraut nie anders betrachten als im Zusammenhang mit dem

Gestirn, unter dem es steht, und wenn er auf die damals grassierende Gold-

macherkunst zu sprechen oder vielmehr zu schimpfen kommt, und also

vom Gold redet, so nie ohne das "aurum nostrum" das "Gold in uns". Wo

ist hier eine Brücke zur Naturwissenschaft? Er redet immer vom Ganzen

der Natur. - In diesem Zusammenhange soll man sich auch nicht scheuen,

der Verdienste eines so sonderbaren Mannes zu gedenken, wie es Rudolf

Steiner war. Auch in dessen Naturforschung ist stets das Ganze gewahrt.

Man schiebe die ,,anthroposophischen" Phantastereien und alles Brim-

borium, das damit zusammenhängt, beiseite, ebenso seine verfehlte doke-

tische Christologie, die schon im vierten Jahrhundert als Häresie verdammt

wurde - das sind Sektenaffären; hinwegsetzen muß man sich ferner -

und das dürfte das schwerste sein - über das unbeschreiblich schlechte

Deutsch, das dieser Mann zuwege bringt und für das Schopenhauers Auf-

satz über die Deutsche Sprachverhunzung die beste Medizin wäre;

aber die Art, wie er die Natur betrachtet, ist bemerkenswert. Man kann das

Natursichtigkeit nennen. Jedenfalls hat dieser Mann und seine Schule Heil-

mittel hergestellt - auf homöopathischer Basis versteht sich -, neben

denen die Produkte der chemischen Industrie, die durchweg auf Eliminaten

beruhen, zum reinen Gelächter werden. So etwas aber ist ein Beweis -

das "Weltanschauliche" dagegen nicht.

Der in der Anthroposophie immer wieder auftauchende Gedanke, daß

die heutige Welt, einschließlich Pflanzen, Tieren und Menschen, einen höhe-

ren Verdichtungsgrad gegenüber einer früheren hat, daß die frühere also

lockerer, leichter, undichter gewesen sei, dieser Gedanke ist an sich wider-

spruchsfrei und sogar fruchtbar. Wenn man dagegen diesen höheren Grad

der Entdichtung eine "Vergeistigung" nennt, so ist das ein Denkfehler.

Kein Grad der Entdichtung der Materie berührt auch nur das Geistige.

Elfen und Gnomen sind genau so weit vom Geistigen entfernt wie Tiere

und Pflanzen. Sie mögen "Geister" heißen - der Sprachgeiz zeigt sich

hier wieder -, aber Geist sind sie nicht. Sofern sie erscheinen, unterliegen

sie den allgemeinen Gesetzen der Erscheinung und nur dadurch können

sie Erfahrung sein. Diese leichtfertige Verquickung von "Geist" mit der

besonderen Seinsweise jener Elementargeister hat den Anthroposophen

den Vorwurf eines klugen Theologen eingetragen, der sagte: "Sie reden von

"Geist" und meinen Gas."

Die moderne Naturwissenschaft ist ein völlig anderes Gebilde; ihr Bau

ist überall derselbe, sie hat einen charakteristischen Habitus, der sich mit

nichts anderem vergleichen läßt, den aber die Philosophie genau zu be-

schreiben und auf seine Gültigkeit zu prüfen vermag. - Man sollte die

Naturwissenschaften nicht schlechthin die "empirischen" nennen, obwohl

sie alle empirisch sind, sondern sollte unterscheiden zwischen den bloß

empirischen und den gesetzlichen. Die Astronomie war bei allen Völkern

des Altertums eine bloß empirische Wissenschaft. Man sah zu, wie man

durchkam. Als Thales von Milet seine berühmte Voraussage einer Sonnen-

finsternis machte, hatte er lediglich Glück. Er kannte die Ephemeriden

auf lange zurüchreichende Zeit und schloß aus einer gewissen Regelmäßig-

keit der Gestirnstände auf das wahrscheinliche Eintreten einer Sonnen-

finsternis an dem und dem Tage etwa. Aber er kannte das Gravitations-

gesetz nicht. Seit Kepler und Newton wissen wir von jedem Planeten genau,

wo er an einem bestimmten Tage der Zukunft oder der Vergangenheit

stehen muß. Hier ist kein Irrtum mehr möglich, weil das Gesetz da ist.

Durch den Eingriff des Genies wird eine bisher bloß empirische Wissen-

schaft zur gesetzlichen nobilitiert; sie kommt dadurch auf einen höheren

Rang. Um das zu erweisen, war die Ergründung der ,,transcendentalen

Struktur des Genius" notwendig (Vgl. hierzu das gleichnahmige Kapitel

in der Achse der Natur) . In einem gleichfalls bloß empirischen

Zustand befindet sich noch heute die Medizin, die auch nur Erfahrungen

sammelt. Ausgenommen ist hier die Oase um das Simile-Gesetz (Vgl. hierzu

den Abschnitt über Paracelsus und Hahnemann als nobilitierende Genien der

Medizin) Nur die Wissenschaften, die sich im Zustande jener Rangerhöhung

befinden, gehen uns hier etwas an,denn nur in ihnen kommt die Bildung des

Eliminateszum Durchbruch.

Sie ist an der charakteristischen Tätigkeit des Genies - im Gegensatz

zum Gelehrten - ablesbar. Denn diese teilt sich in zwei deutlich getrennte

Phasen: die eine, in der es empfängt - mit Stromrichtung vom Objekt

zum Subjekt -, die andere, in der das Empfangene verarbeitet und seine

Anwendbarkeit auf die Natur als deren echtes Gesetz bewiesen wird.

Hierbei stellt es sich aber heraus, daß man das Gesetz nicht auf die rohen

empirischen Dinge selber mit all ihrem Behang anwenden kann, sondern

nur auf deren Eliminat. Das ist ein ähnlicher Vorgang, wie der von Kant

erwähnte,daß sich die Urteilsformen der reinen Logik nicht unmittelbar

auf die empirischen Dinge und deren Begriffe übertragen ließen, um Kate-

gorien zu werden, sondern nur auf deren Schemata. Es müsse, so meinte

er, um diesen Prozeß zu vollziehen, ein Gebilde geben, das zwischen der

Anschauung und dem Begriff liege, eine Art exaktes Gespenst der Dinge

also, und auf dieses allein ließen sich die Urteilsformen übertragen. Dieses

"Schema" ist nach Kant ein "Monogramm der Einbildungskraft", in

Wirklichkeit ein Monogramm der Natur in der Einbildnngskraft.

Parallel dazu ist das Eliminat ein Monogramm des Gesetzes im

Intellekt. Eliminat und Schema sind also eng verwandte Begriffe, nur

daß das Schema sich auf einzelne Dinge, das Eliminat sich auf das Gesetz

der Dinge bezieht. Um nämlich das überall in der Naturwissenschaft

erstrebte Ziel, der Mathematik nahezukommen, zu erreichen und dadurch

dem Naturgesetz die exakte Form zu sichern, muß alles Störende "heraus-

geworfen" werden, obwohl es in Wirklichkeit immer da ist. Die theore-

tische Mechanik etwa wäre nicht durchführbar, wenn man nicht die

Reibung hinauswürfe, obwohl jedermann weiß, daß kein Naturvorgang

ohne Reibung ist; denn es gibt keinen leeren Raum. So arbeitet die Mecha-

nik nur mit ihren Grundbegriffen Masse, Geschwindigkeit, Beschleunigung,

Volumen, die zu ihrem Eliminat gehören.

Man meine aber ja nicht, daß die Eliminate Willkürakte des Menschen

seien; das sind sie so wenig wie die Schemata (die man wohl auch Schemen

nennen könnte ...). Sie bilden sich gleich jenen von allein und passen

immer genau auf das Gebiet, dem sie angehören. Sie sind gewissermaßen

Rabatte des genialen Einfalles, die beim actus demonstrandi hinzugezahlt

werden. Dann aber geht die Rechnung auch auf; denn nur mit ihnen ist

Naturwissenschaft möglich. Die Menschheit ist von ihnen, wie von ihr,

sozusagen überfallen worden. Die Eliminate haben auf jedem Teilgebiete

der Naturwissenschaft ein anderes Gesicht und eine andere Art des Auf-

tretens, was zu ergründen und darzustellen eine reizvolle Aufgabe wäre,

die ich indessen gern anderen überlasse. Aber wir werden hin und wieder

auf sie stoßen.

Das Gegenspiel von Naturwissenschaft, die, vom Genie an abwärts,

jedermann zur Verfügung steht, ist die Natursichtigkeit, die allemal ein

Privileg ist. Diese fällt niemals aus dem Rahmen des transcendentalen

Kontinuums, das die Natur in Wirklichkeit ist, heraus. Goethes leiden-

schaftlicher Kampf gegen Newton ruht auf dieser Basis; er ist ein Kampf

gegen die Naturwissenschaft, will sagen gegen die Eliminate. Er behandelt

das Licht und die Farben als unteilbare Erscheinung, die immer das

"sonnenhafte" Auge zur Voraussetzung hat. Die moderne Optik als Nach-

folgerin Newtons nimmt das Licht ohne Auge, gewissermaßen das "Ding

an sich" des Lichtes. An diesem Kampf kann man sehen, daß die Natur-

wissenschaft allemal die Technik zum Ziel hat und nicht die Erkenntnis.

Wir werden durch die Summe aller Naturwissenschaften nicht um einen

Deut wissender über die Natur. Jeder ausgewachsene Naturwissenschaft-

ler zeigt uns, daß er bei der Technik antichambriert, aber blind gegenüber

der Natur selber ist. Wissenschaft erzeugt niemals echtes Wissen, son-

dern immer nur - Wissenschaft.

Die Verwechselung der Eliminate mit der Natur selber, die bei philoso-

phisch Unbelehrten unvermeidlich ist, kann zu den schwersten prakti-

schen Schädigungen führen. Dies läßt sich auf dem Gebiete der Psycho-

logie gut nachweisen. Die Psychologie ist, so kann man sagen, Natur-

wissenschaft nach innen, unter Auslassung des Raumes, sonst aber ihr

völlig gleich gebaut. Als Wissenschaft gibt es natürlich nur empirische

Psychologie. Der Vorgang der Eliminierung hat sich bei ihr reibungslos

vollzogen: es gibt hier keine Seele und darf keine geben; an ihre Stelle tritt

das "psychische System"; das ist der Name für das Eliminat. Auf den Uni-

versitäten galt die Psychologie lange Zeit als langweilig, und das ist sie

auch, wenn man sie nicht mit Fragen der Erkenntnis verknüpft. Solange

es darum ging, wie das Auge sieht, das Ohr hört, die Nase riecht, solange

schlugen keine Funken. Das geschah erst um die Jahrhundertwende, als

Sigmund Freud mit seiner Neurosenlehre kam. Hier spielte individuelles

Menschenschicksal, und das schlug ein. Das war auch Psychologie, aber

eine der subjektiven Erfahrung. - Nun ist es natürlich ganz falsch, zu

sagen, Freud habe die "psychische Kausalität" entdeckt. Davon kann

kerne Rede sein, denn daß es die gab, war von jeher sicher, weil a priori;

das psychische System ist der Kausalität genau so unterworfen wie die

materielle Welt. Was er entdeckte, war die Entflechtung unverständlicher

diskontinuierlicher Komplexe; das geschah durch den Begriff der "Ver-

drängung" sexueller Antriebe und deren Ersatz durch Bildung neuroti-

scher Symptome. Das war seine gründende Tat, durch die zum erstenmal

das bisher bloß empirische Gebiet der Psychiatrie Gesetzescharakter bekam.

Nun aber beginnt der Irrtum. Weil, so sagt man sich, die Entstehung

der Neurosen in lückenloser psychokausaler Kette verfolgbar ist, deswegen

muß sich auch der Heilungsprozeß in derselben der Wissenschaft erschließ-

baren Ebene abspielen, - denn eine andere gäbe es nicht. Der Irrtum, der

hier vorliegt, hat seinen Boden in der mangelnden Trennung von Kausalität

und Teleologie. Jeder Heilungsvorgang nimmt die objektive Teleologie,

also die Zweckmäßigkeit der Natur in Anspruch. Diese aber in Bewegung

zu setzen zugunsten des Kranken, dazu gehört gerade das, was die

Wissenschaft vom Verlauf (ich wage kaum zu sagen von der Entstehung)

der Krankheit mit Recht verpönen muß: Natursichtigkeit. Hier, wo es um

Heilung geht, klafft auf einmal der Unterschied zwischen dem Eliminat

und der vollen Natur verhängnisvoll auf. Darum gibt es genau genommen

nicht eine einzige Heilung "durch" Psychoanalyse und kann es nicht geben,

sondern nur durch den Arzt. Da nun, wie wir oben gesehen haben, die

Naturwissenschaft mit ihren Eliminaten auf die Technik gemünzt ist

und dort nie versagt, so kann man sich denken, was dabei herauskommen

muß, wenn seelisch Kranke einem psychotechnischen Verfahren unter-

worfen werden (Da ich mich seit über dreißig Jahren mit der Behandlung

von Neurotikern beschäftige und die ersten Anfänge der psychoanalytischen

Bewegung mitgemacht habe, so glaube ich darüber ein Urteil fällen zu können.

Ich habe daher vor vierundzwanzig Jahren eine Schrift verfaßt, die den Namen

Traktat überdie Heilung trägt und in der besonders die Frage des Eliminates

behandelt wird; ich kann mir daher hier weitere Ausführungen sparen.

Die Schrift erschien wesentlich verbessert, aber in der Grundrichtung unver-

ändert im Herbst1950 als Neudruck in der dritten Auflage im Verlag Erst Klett

Stuttgart wieder. H.B.).

 

§ 12

DER ASTROLOGISCHE GÜLTIGKEITSANSPRUCH

Das Walten der Eliminate, also des Natur-Ersatzes, wird heutzutage

besonders deutlich in der Astronomie in dem Augenblicke, da die uralte

Astrologie ihren Gültigkeitsanspruch erhebt. Die physikalische Astronomie

steht Rede und Antwort, wenn man sie etwa fragt: "Was ist ein Planet ?",

wenn man also dessen Definition verlangt. Sie antwortet: ein Planet

ist ein Weltkörper, der um die Sonne kreist; er hat eine bestimmte Masse

und, davon abgeleitet, eine bestimmte Geschwindigkeit, seine Schwere und

seine Dichte sind ebenso bekannt wie seine chemische Qualität der Stoffe

aus denen er besteht und die uns genau von der Spektralanalyse angegeben

werden usw. Unter Hinweis darauf, daß es erschöpfende Definitionen

empirischer Dinge - sofern sie nicht von uns selber hergestellt wurden

nicht gibt, kann diese als genügend anerkannt werden, genügend jeden

falls für die physikalische Art der Betrachtung. Daß sie ein ausgesprochnes

aber wohlgelungenes Eliminat ist, dem Leben entzogen und der Berech-

nung erschlossen, das zeigt sich in dem Augenblicke, da die Astrologie auf-

tritt und die Rechtsgültigkeit dieser Willkür-Definition einer Gestirnsleiche

in Frage stellt; so redet sie. Denn, sagt der Astrologe, hier fehlt etwa die

Hälfte, und zwar die wesentlichere Hälfte aller Eigenschaften eines Pla-

neten, die zugunsten einer leblosen Wissenschaft - die aber an sich stimmt

unterdrückt wird. Ein Planet ist, so ergänzt er definierend, ein Welt-

körper, der, je nach der Stellung, die er einnimmt und je nachdem, in

welchem Tierkreiszeichen er im Augenblicke der Geburt eines Menschen

steht, eine bestimmte Bedeutung für den Charakter und das Schicksal

dieses Menschen hat. Der physikalische Astronom lehnt so etwas mit aller

Entschiedenheit ab, nennt es Aberglauben und weigert sich, davon nähere

Kenntnis zu nehmen. Das heißt er handelt, da er sein Weltbild für gefährdet

hält, genau so wie jener Priester, der sich weigerte, durch das Fernrohr des

Galilei zu sehen. Das wird immer so sein, denn solche Situationen wieder-

holen sich bei jedem Umbruch.

Jene Definition des Astrologen aber ist ebenso richtig wie die seine.

Liegt nun hier eine echte Antinomie vor, und wie soll man sie auflösen?

Es ist dieselbe, die zwischen Goethes Definition der Farben besteht und

der, die die physikalische Optik beherrscht. Goethe: die Farben sind Taten

des Lichtes und der Finsternis; Newton: Farben sind Ätherschwingungen

verschiedener Länge. Beide Definitionen sind richtig (Ich lasse hier den unter-

schied zwischen der Korpuskular- und der Wellentheorie außer acht. H.B.)

Man kann nun zunächst die empirische Richtigkeit der astrologischen Defini-

tion zu bestreiten versuchen, und diese fiele in der Tat dahin, wenn das gelänge.

Aber das gelingt eben nicht, und was der Astrologe zu bieten hat, kann sich als

allenAnforderungen genügend sehen lassen, die man an eine empirische Beobach-

tung zu stellen hat. Denn jeder Astrologe kann auf den ersten Blick aus

dem Habitus und dem äußeren Gebaren jedes Menschen erkennen,

welches Tierkreiszeichen im Augenblicke seiner Geburt über dem Horizont

aufgestiegen ist, den sogenannten Aszendenten; und wenn er unsicher ist,

so kann er es sofort im Geburtshoroskop nachprüfen. Ferner kann er, wenn

er die fast immer ungenau angegebene Geburtsminute kennt, dazu ein

charakteristisches Ereignis seines schon abgelaufenen Lebens mit möglichst

genauem Datum, kann er die tatsächliche Geburtszeit, also den ersten

Atemzug, auf die Sekunde genau berechnen. Was ferner möglich ist, und

zwar mit voller astronomischer Sicherheit, das ist: er kann für einen belie-

bigen Zeitpunkt der Zukunft für jedermann, dessen Geburtshoroskop er

kennt, genau feststellen, was ihm an diesem Tage zugedacht ist, gewisser-

maßen also das Astral- Wetter. Was jener aber an diesem Tage mit diesem

Wetter anfangen oder was ihm geschehen wird, das kann er nicht voraus-

sagen. Denn eben das, was man immer an der Astrologie teils gerühmt,

teils gefürchtet hat, daß sie nämlich Ereignisse vorauszusagen vermag,

und zwar mit mehr als Wahrscheinlichkeit, gerade das kann sie nicht.

Könnte sie das, so würde das menschliche Leben ein Mechanismus sein,

gleich dem Ablauf einer Uhr; das ist es aber nur in bezug auf das Wetter

nicht auf das, was jener mit diesem anfängt. Wenn mir die Meteorologen

für den kommenden Sommer viel Regen und Kühle voraussagen, und beides

tritt wirklich ein, so werde ich zu Hause bleiben, wofern ich ein Mensch

bin, der äußeren Einflüssen leicht erliegt und ein mehr vegetatives Leben

führt. Bin ich das aber nicht und habe ich den entschiedenen Willen zu

reisen, so reise ich eben trotz Wind und Wetter; und mit dem Astral-Wetter

springe ich nicht anders um. Als Wallenstein nicht mehr recht wußte, was

er wollte, machte er seine Entschlüsse von dem Wetter abhängig, das die

Planetenaspekte ihm ansagten, statt von seinem leergewordenen Willen

Dem Satze, daß die Astrologie nicht imstande ist, Ereignisse mit Not-

wendigkeit vorauszusagen - was die Astronomie ja kann -, scheint die

Tatsache zu widersprechen, daß es viele solche Voraussagen gibt, die genau

und pünktlich eingetroffen sind. Allein, hier läßt man sich durch einen

sublimen Denhfehler täuschen, indem man einen sehr hohen Grad von

Wahrscheinlichkeit mit der Notwendigkeit verwechselt. Diese aber im

Sinne eines unwiderruflichen Naturzwanges liegt beim Menschen nie vor,

denn in seinen Charakter ist die Freiheit eingebettet, die die Rolle des

Naturzwanges übernehmen kann (Kants ,,Causalität durch Freiheit"). Die

Freiheit aber wird vom Horoskop nicht erfaßt. Eine menschliche Handlung

oder eine menschliche Passion tritt allemal erst dann ein, wenn der ,,kul-

minierende Punkt des Willens" (nicht zu verwechseln mit dem in der

Astrologie gebräuchlichen Begriff des "kulminierenden Punktes") erreicht

ist, dann aber und nur dann mit Notwendigkeit. War es aber die Freiheit,

die diesen kulminierenden Punkt erzwang - dann ist es gleichgültig, ob das

Ereignis aus Freiheit oder aus Notwendigkeit eintrat. Das ist das punctum

mysticum der menschlichen Handlung. Ob aber und wieweit die Freiheit

wirksam ist, das hängt davon ab, wer man ist. Auch das aber steht nicht

im Horoskop.

Während die physikalische Astronomie den einmal eingeschlagenen Weg

der Eliminate mit rapider Geschwindigkeit fortsetzt - und fortsetzen

muß -, so daß schließlich nach Auflösung aller anschaulichen Elemente

nichts mehr übrigbleibt als eine Handvoll Formeln, die nur dem Fach-

manne verständlich sind, haben sich doch einige Astronomen bereits umge-

sehen angeregt durch die Erfolge der Astrologie, die durchaus Wissen-

schaftscharakter trägt, und suchen, nach Art der politischen Rückver-

sicherer, eine Brücke zu bauen. Ich meine damit die sogenannte Astro-

Biologie, in welcher der Einfluß der Gestirne auf den allgemeinen Ab-

lauf der physiologischen Prozesse behandelt wird, also den Einfluß etwa,

den die Sonne auf die Lunge oder der Mond auf die Menstruationsinter-

valle der Frau hat usw. Aber das ist keine Brücke, obwohl es alles

richtig ist. Denn in der Astrologie handelt es sich um das persönliche Schick-

sal um das mir persönlich Zugedachte. Denn mein Horoskop ist etwas, das es

nicht zweimal inder Welt gibt und nicht geben kann, auch bei Zwillingen nicht.

Warum aber und wie solche Entsprechungen des Standes der Gestirne mit mei

-nemSchicksal möglich sind, das kann niemand ergründen, um so weniger, als

dieses Verhältnis kein kausales ist; jedenfalls nicht im Sinne der causa

fiendi Man könnte schon eher an Schopenhauers ,,Seinsgrund" denken,

den er in seiner Dissertation Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zu-

reichenden Grunde abgehandelt hat.

 

§ 13

DIE ABSTAMMUNG DES MENSCHEN

Wovon war eigentlich hier die Rede ... man erinnert sich kaum. Der

Darwinismus liegt heute in den letzten Zügen und wehrt sich verzweifelt;

in den Gewaltstaaten läßt er sich als Staatsdoktrin militärisch sichern. Ich

verstehe hier unter Darwinismus lediglich die Lehre von der Abstammung

des Menschen vom spezifischen Tier, also vom Affen, und lasse im übrigen

die bedeutenden Verdienste Lamarcks und Darwins aus dem Spiel. Beide

großen Männer nun haben bei ihren Forschungen über die Entwicklung

und Abstammung des Menschengeschlechtes stets und in betonter Weise

von dessen moralisch-geistigen Eigenschaften abgesehen, die nicht mit in

den Entwicklungsprozeß einbezogen waren. Beide nämlich waren fromme

Männer. In dieser Ausklammerung darf man aber ja nicht eine Aktion zur

Herstellung des Eliminates erblicken, wozu das Herauswerfen (exigere -

exact) der geistig-moralischen Eigenschaften Veranlassung geben könnte

Denn beim Prozeß der Eliminierung wird niemals das Wesentliche

herausgeworfen. Die theoretische Mechanik wirft wohl die Reibung heraus,

aber natürlich nicht die Bewegung. Das Geistige aber - um es hier kurz so

auszudrücken - ist das Wesentliche am Menschen, das in der übrigen

Natur nirgends vorkommt. Die Fragestellung Lamarcks und Darwins 1au-

tet demnach nur: kann man den Organismus des Menschen nach den

selben Entwicklungsgesetzen wie den der übrigen Tiere aus dem Organis-

mus eines andern, also hier des Affen, ableiten? Und sie bejahten diese

Frage. Nicht aber haben sie behaupten wollen, daß sie selbst, Lamarck

und Darwin in Person, "vom Affen abstammten", so, wie sie von ihren

Großeltern stammen. Das aber ist die mißverstandene Deutung durch die

Darwin-Epigonen. Die Ableitung der beiden verschiedenartigen, aber

morphologisch ähnlichen Organisationen voneinander hätte keinerlei

Aufsehen erregende Macht, weil unmetaphysisch, und an sich, wie der

Jurist sagen würde, "schlüssig". Die Aufregung kommt erst durch die

zweite, die Epigonen-Deutung hinein und setzt allemal einen Denkfehler

voraus. Sie wurde bekanntlich in der Hauptsache durch einen albern ge-

wordenen deutschen Universitätsprofessor in Szene gesetzt, der im übrigen

seine Meriten hat.

Als letzte Drohung nun haben die Epigonal-Darwinisten in den ver-

gangenen Jahren bei ihrem verzweifelten Rückzugsgefecht die Behauptung

aufgestellt, das gefürchtete ,,Zwischenglied" (missing link) zwischen Affe

und Mensch sei längst gefunden, und dieses entscheide - nach ihrer

Doktrin - ja alles. Wir wollen dem Gegner einmal, ehe wir den Beweis

erbringen, daß es ein solches ,,Zwischenglied" weder gibt noch geben kann,

alle günstigen Karten in die Hände spielen. Wir wollen also einmal anneh-

men, daß es sich bei diesem Zwischenglied nicht um ein paar kümmerliche

Unterkiefer, Schädelknochen usw. handelt - wie das so üblich ist -, son-

dern um ganze Skelette, und diese in solcher Anzahl, daß über etwa ent-

stehende Lücken gar kein Streit entstehen kann, weil eine sichtbare Konti-

nuität hergestellt ist. Das könnte in der Tat einmal kommen. Das Weitere

aber, das wir konzedieren, spielt sich nun freilich in einem phantasierten,

aber "schlüssigen" Reiche ab: es seien nicht nur die Skelette erhalten,

sondern die ganzen Leiber und diese lebten. Wir befänden uns dann in

einer Art paläontologischem Garten, in welchem sich in tollem Durch-

einander offensichtliche Menschen niederster Rasse, "Menschenaffen" und

"Affenmenschen" (was beides lediglich nominalistische Etiketten sind),

dann "höhere" Affen und gewöhnliche Affen herumtrieben. Es ist ein wah-

res Paradies für die Epigonaldarwinisten, denn hier ist durch unsere Frei-

gebigkeit ein lückenloser Zusammenhang sichtbarlich hergestellt. Auf der

einen, linken, Seite des riesigen Territoriums kreischen alle Affenarten auf

den Bäumen und knacken Nüsse - werfen sogar mit ihnen! -, auf der

andern, rechten, sieht man die ersten Hütten errichtet und Feuer an-

gefacht. Dazwischen treibt sich allerhand Zwischenvolk herum, das mit

Steinen Tiere erlegt oder gar instrumentartige Gegenstände dazu ge-

braucht.

Diesem freigebigen Sammelmaterial sitze nun ein Gremium von Gelehr-

ten gegenüber, das die Sache zu begutachten habe. Und nun beginnt das

Messen und Wiegen; jedes einzelne Exemplar wird vorgenommen, Größe

und Stellung der Eckzähne festgestellt und registriert, das Schnauzenbild

morphologisch genau aufgezeichnet, die Länge der Extremitäten im Ver-

gleich zum übrigen Körper gemessen, Blutproben gemacht, das Gehirn

gewogen und morphologisch analysiert usw. Siegreiche Telegramme fliegen

in alle Welt von der nunmehr festgestellten unzweifelhaften Abstammung

"des" Menschen vom Affen. Wer hier überhaupt noch zu zweifeln wagt, der

zeigt damit seinen reaktionären Willen und, daß er im Dienste finsterer

Mächte stehe.

Indessen es befindet sich im Gremium ein Mann, den man eigentlich

nicht gern mit dabei haben wollte, denn man wollte unter sich sein; er ist

nämlich ein Außenseiter und ständiger Nörgler, der sogar am Bestehen der

darwinistischen Stammbäume zu zweifeln wagt, die doch seit Jahrzehnten

in jedem Schulbuch der Biologie stehen. Dieser anmaßende Mann hat

zudem eine philosophische Art, die Grundbegriffe der gemeinsamen Wissen-

schaft in Frage zu stellen: ihm ist, wie er herausfordernd sagt, die Wahr-

heit wichtiger als die Wissenschaft. Indessen man hat ihn mitnehmen

müssen, weil er ein angesehener Forscher ist, der den Doktortitel trägt

einer Sitzung des Gremiums nun meldete er sich zum Wort und sagte:

"Meine Herren Kollegen, ich habe doch meine ernsten Bedenken gegen die

Richtigkeit der Methode, die wir hier anwenden. Ich will einmal in medias

res gehen und mich aller Abstraktionen, die man mir sonst vorwirft, ent-

halten. Ich kann mir denken, daß jeder von Ihnen, die Sie aus so verschie-

denen Ländern stammen, das Bedürfnis hat, den Zoologischen Garten

seiner Hauptstadt mit einem der vielen Exemplare zu beschenken, die Sie

für "Zwischenglieder" zwischen Mensch und Affe halten und daher mit den

Namen "Affenmenschen" oder "Menschenaffen" betiteln. Aber bedenken Sie,

meine Herren: Sie haben auch Ihre Feinde, zum Beispiel die Klerisei aller

Konfessionen, die ja bekanntlich Ihre Lehre von der kontinuierlichen Ent-

wicklung vom Affen zum Menschen bestreiten, weil sie sie für volksver-

derblich halten. Ich bestreite sie, wie Sie wissen, auch, aber aus anderen

Gründen. Doch bedenken Sie: hinter jenen stehen gewaltige Teile der

Bevölkerung, die sich durch Ihre Arbeit in ihrem Glauben bedroht fühlt.

Wenn nun Ihre Lehre von der Kontinuität falsch ist - was Sie natürlich

gar nicht in Erwägung ziehen, weil es Ihre Arbeitshypothese ist - und es

stellte sich heraus, daß jedes auf der vorgeblichen Entwicklungslinie vom

Affen zum Menschen betroffene Individuum entweder Mensch oder Affe

ist -, wie wollen Sie sich dann gegen den Vorwurf der Freiheitsberaubung

schützen, wenn Sie so jemanden in den Zoologischen Garten sperren ...?

Oder gar: Sie haben einige getötet, um das Gehirn zu wiegen - wie wollen

Sie gegen den Vorwurf des Mordes gefeit sein ... ? Ich glaube zwar be-

obachtet zu haben, daß Sie sich immer recht scheu in die Nähe jener

"ersten Hüttenbauer" begaben, wenn Sie diese Absicht hatten, und mir

ist auch so, als sei es nie dazu gekommen. Warum nicht, das ist mir wohl

bekannt, nicht aber Ihnen mit Ihrem durch Wissenschaft getrübten Auge.

(Unruhe im Gremium ...) Wenn aber die Grenzen zwischen Affe und

Mensch nicht "fließend" sind, wie Sie behaupten, sondern scharf, wie ich:

so sind Sie in jedem Falle entweder Jäger oder Mörder."

"Wir danken Ihnen, verehrter Herr Kollege, für Ihre interessanten Aus-

führungen", sagte der Vorsitzende nicht ohne einen ironischen Zug. "Aber

gegen Ihre Bedenken gibt es ein völlig einwandfreies Mittel: durch unsere

Meßgeräte können wir einfach bestimmen, wer - juristisch gesehen -

Affe ist und wer Mensch. Von einer bestimmten Länge der Eckzähne, von

einem bestimmten Winkel, in dem sie zum Unterkiefer stehen, von einem

bestimmten Verhältnis der Länge der Extremitäten zum Oberkörper, von

einer bestimmten Wölbung der Schädeldecke und einem bestimmten

Gewichte des Gehirnes an können wir einfach sagen: was jenseits dieser

Grenze liegt, ist Mensch und genießt daher den Schutz der Gesetze."

"Aber", fährt der Zweifler leidenschaftlich los, "das ist ja reiner Nomina-

lismus! Dadurch, daß Sie ein Lebewesen zum Menschen erklären, wird

es ja in der Realität kein Mensch. Und wie, wenn das Menschsein von ganz

anderen Dingen abhinge als von denen, die Sie an Ihren vorgeblichen

Zwischengliedern messen können ...?"

Aber das sind doch philosophische Abstrusitäten, verehrter Herr Kol-

lege, die Sie hier in eine wissenschaftliche Sitzung hineinplatzen lassen!"

"... ohne welche Sie aber diese lebenswichtige Frage in Wahrheit nicht

entscheiden können!"

Zwischenruf des Präsidenten: "Ich bitte die Herren, bei der Sache zu

bleiben!"

Gut! Dann will ich Ihnen konzedieren, daß Sie sich mit Ihrer Methode,

durch die ein Mensch de jure Mensch wird, vor Bestrafung sichern können.

Ich kann mir nun aber folgenden Fall denken: Sie gehen mit der Flinte los,

eines jener Lebewesen, das nach Ihrem Meßsystem zweifellos als Affe

signifiziert ist, zu erlegen, denn Sie wollen sein Gehirn morphologisch begut-

achten. Wie es aber so in seinem Blute daliegt und mit dem Tode ringt,

kommen statt bloßer Tierlaute so etwas wie Worte über seine ungefügen

Lippen. Was dann ... ? Vor dem Strafgesetzbuch sind Sie gesichert - sind

Sie es aber auch vor Ihrem Gewissen?"

Hier greift die Glocke des Präsidenten, begleitet von stürmischen Protest-

rufen, ein und gebietet dem Redner Schweigen. Das sei eine ganz ungehörige

Betrachtungsweise und widerspreche allen Grundsätzen der Wissenschaft.

"Aber Sie haben sich geirrt! Und darauf kommt es an. Ihre Methode ist

falsch!" Ein Fanatiker stellt mit Schaum vor dem Munde den Antrag, den

Kollegen Dacque von der weiteren Mitarbeit auszuschließen. "Dagegen

habe ich nichts. Vorher aber ersuche ich Sie, mir zu gestatten, ein unfehl-

bares Mittel, das ich besitze, anzuwenden, um herauszubekommen, nicht,

wer Mensch sein soll, sondern wer Mensch ist."

"Und dieses Mittel wäre ...?"

"Ich frage sie einfach."

"Ich glaube, wir heben die Sitzung auf!" sagte der Präsident, ohne die

Glocke zu benutzen.

"Das wäre bedauerlich für Sie, meine Herren, und die Wissenschaft, nicht

aber für mich und die Wahrheit. Es steht in Ihrem Belieben, mein Angebot

anzunehmen oder nicht, denn ich bin ja, seit der Ausschlußantrag gegen

mich vorliegt, sozusagen nur ein Geduldeter." Man konnte das nicht gut

ablehnen, wollte es auch nicht, denn man hoffte, auf diese Weise den lästi-

gen Nörgler durch eine unüberwindbare Blamage ein für allemal loszu-

werden. Der aber fuhr fort: "Zur Erklärung meiner Methode und zu Ihrer

Kontrolle bemerke ich im voraus: mir ist die Gabe der Naturhörigkeit

zuteil geworden, das heißt mein Ohr vermag über das normale Maß hinaus

die Bedeutung von Lauten, Geräuschen, Worten verbunden mit meinem

Verstande zu ergründen. Um Ihnen das verständlich zu machen, erinnere

ich Sie an die Naturhörigkeit, die man der Sage nach dem heiligen Franz

von Assisi zuschreibt, der die Sprache der Tiere verstand. Da, wie ich sehe,

Sie sich mit den Ellenbogen gegenseitig anstoßen, so will ich lieber ein

Ihrem Vorstellungsvermögen näher liegendes Beispiel nennen: denken Sie

an die Oberkellner internationaler Hotels, die ein ganz auffallendes Ein-

fühlungsvermögen in die Sprache der verschiedenen Völker besitzen, die

sie zu bedienen haben. Der Vergleich stimmt nicht ganz, aber immerhin ...

Da ich nun einmal diese Gabe besitze, so habe ich mich oftmals auf unserem

Tierparadies zwischen Affen, Affenmenschen, Menschenaffen und Menschen

ergangen und dabei auf die Laute und Geräusche gehört, die alle diese Lebe-

wesen so reichlich von sich geben. Dabei nun entdeckte ich, daß unter diesen

verworrenen Lauten sich deutlich wortähnliche Gebilde abhoben, ich

bemerkte, daß hier heimlich gesprochen wurde. Mein jahrelanges Hin-

hören nun hat mir eine gewisse Vertrautheit mit dieser Sprache einge-

bracht. Es wäre zuviel gesagt, wenn ich behauptete, ich beherrschte sie,

aber zuwenig, daß es für mich sinnlose Laute wären, wie sie es für Sie,

meine Herren, offenbar sind. Jedenfalls, gewisse ganz grundlegende Fragen

getraute ich mich schon an die, welche es betrifft, in eben dieser Sprache

stellen zu können. Es käme nur auf ein Experiment an, zu dem ich Sie

hiermit einladen möchte."

Der Außenseiter führte seine Kollegen auf den Platz, auf dem die Glocke

stand, die beim Füttern geschlagen wurde. Auf ihren Ton hin strömten

von allen Seiten die Einwohner des Gartens zusammen. Es gab aber kein

Futter, sondern der Sonderling stellte sich hin und rief mit lauter Stim-

me in der Sprache, die er eben geschildert hatte: "Wer von euch ist ein

Mensch ...?"

Auf diesen ungewohnten Anruf hin ging ein eigentümliches Zucken und

eine Verwirrung durch die Lebewesen; man konnte deutlich bemerken, wie

sich etwas abschied. Die einen verstanden den Ruf nicht und trotteten, als

sie merkten, daß es doch kein Futter gab, auf ihre Bäume zurück. Andere

aber scharten sich um den Frager, erhoben die Hände, wie als meldeten sie

sich und sagten in ihrer eignen Sprache so etwas wie "Ja" und "Ich".

Sehen Sie, meine Herren, das wußte ich im voraus. Um zu klären,

was sich hier begab, muß ich jetzt aber pedantisch werden. Auf meinen

Anruf hin haben sich bestimmte Exemplare dieser von Ihnen als Affen-

menschen oder Menschenaffen bezeichneten Tierart abgesondert und zu mir,

also auch zu sich gesagt, daß sie Menschen seien. Ich hätte auch eine andere

Frage an sie richten können, aber schließlich lag uns diese am nächsten.

Dadurch allein aber, daß sie sie beantworteten, sind sie Menschen, und

durch nichts anderes. Den Akt des Selbstbewußtseins kann niemand

begehen außer dem Menschen. Und zwischen dem Sagenkönnen: "Ich bin

ein Mensch" und dem Nicht- Sagenkönnen "Ich bin ein Mensch!" (weil man

nämlich keiner ist) gibt es keine Entwicklung. Man kann das entweder

oder man kann das nicht, ein Drittes gibt es nicht. Oder machen Sie mir

das einmal vor! Halbwachzustände, wie wir sie des Morgens beim Er-

wachen oder im Alkoholrausch erleben, haben damit nichts zu tun; das sind

lediglich psychologische Trübungen, die vorübergehen: unter ihnen aber

bleibt immer die volle unteilbare gradlose Fähigkeit der Selbsterkenntnis

erhalten. Diese aber, und diese allein ist die differentia specifica zwischen

Tier und Mensch - ich hoffe, Sie durch diese philosophische Erinnerung

nicht in ihrer wissenschaftlichen Würde gekränkt zu haben -, und diese

allein ist es demnach, deren Entwicklung aus "niederen" Formen sie nach-

weisen müßten, wenn Sie Ihre - nicht Darwins - Behauptung von der

Abstammung des Menschen vom Tier aufrechterhalten wollen. Da es

aber nicht nur keine "niedere" Form des Selbstbewußtseins gibt, es also

entweder da ist oder nicht, und da im gesamten Tierreich nichts dergleichen

auch nur andeutungsweise vorkommt, so ist nichts unsinniger, als zu be-

haupten, der Mensch stamme vom Affen ab. Welchen Täuschungen Sie

sich aber mit Ihrer Registrierungsmethode nach körperlichen Merkmalen

aussetzen, das haben Sie bei der Szene erleben können, die nach meinem

Anruf folgte; Lebewesen, die Sie auf Grund jener Merkmale zu den Affen

gerechnet hatten, haben sich als Menschen gemeldet, und umgekehrt hatten

vorgebliche Menschen nichts Eiligeres zu tun als davonzulaufen, nachdem

sie gemerkt hatten, daß es doch kein Futter gab. Was aber folgt daraus

für die Wissenschaft? Dies: daß alles Auffinden vorgeblicher Zwischen-

glieder gänzlich belanglos ist, denn - es gibt keine. Die Natur hat im

Falle Affe-Mensch gewissermaßen in Dubletten gearbeitet, wie sie das

hie und da öfters getan hat, aber ein Abstammungsverhältnis ist damit

nicht gegeben, weil es hier jedenfalls unmöglich ist. Will man trotzdem

ein solches annebmen, so wäre das nur in umgekehrter Richtung möglich

der Mensch Stammvater des Affen. Geblendet durch den Entwicklungs

gedanken nach oben hat die Wissenschaft vergessen, daß die Natur auch

das Prinzip der Verkümmerung kennt. Sie wendet es vorsichtig nur bei

einzelnen Organen an, indem sie von Rudimentarisierung spricht. Aber das

Prinzip ist allgemeiner. Es fallen im Laufe der Jahrmillionen ständig ganze

Völkergruppen, auch heute, diesem Prozeß der Verkümmerung anheim

der, schließlich an seiner äußersten Grenze angelangt, den Austritt aus dem

Menschengeschlecht zur Folge hat. So ist der Affe biologisch verstehbar

umgekehrt aber, als Vorfahr, nicht."

Da das Gremium unruhig wurde, versuchte der Sonderling einen ver-

söhnenden Ton anzuschlagen und fuhr fort:

"Ich weiß, meine Herren Kollegen - vorläufig sind Sie das ja noch-,

wie schwer es für einen wissenschaftlich geschulten Kopf ist, grundlegende

Neuigkeiten zu akzeptieren. Eine Wissenschaft verläuft, besonders, wenn

sie schon lange genug betrieben wurde und sich der begeisterten Mitarbei-

terschaft des Laienpublikums erfreut, unbewußt in den Gesetzen des

Massenwahns und hinterläßt eingefahrene Bahnen im Denken - vielleicht

sogar im Gehirn - der Forscher. Die Wahrheit dagegen unterliegt diesem

Schicksal nicht. Wahrheit im substantiellen Sinne - möchte ich sagen -

tritt am klarsten, ja wohl einmalig bei jeder Wissenschaft an ihrer Ent-

stehungsstelle hervor, das heißt beim Genius. Weder Lamarck noch Darwin

unterlagen dem Massenwahn, und ohne diese unsere Meister gäbe es keine

Paläontologie und keine Phylogenese. Sie wissen, aber Sie scheinen es unter

dem heimlichen Druck des Massenwahns vergessen zu haben, daß beide

großen Forscher es abgelehnt haben, das Wesen des Menschen mit unter

die Entwicklungsgesetze zu stellen. Sie beschränkten sich daher darauf,

seine Gestalt aus der des Affen oder eines gemeinsamen Vorfahren, der

aber äffisches Gepräge gehabt haben muß, abzuleiten, als ob das in Wirk-

lichkeit möglich wäre. Sie bejahten diese Möglichkeit und nahmen sie als

Wirklichkeit an. Aber auch das hat sich als ein Irrtum herausgestellt,

nachdem die jahrelange fleißige Arheit vergleichender Anatomen das hat

verneinen müssen. Wir wissen heute mit der Zuverlässigkeit eben der

Wissenschaft, daß es keine Entwicklung vom Affen zum Menschen ge-

geben haben kann, und zwar auf Grund des Abel-Dolloschen Irreversibili-

tätsgesetzes, wonach es Entwicklung immer nur in der Richtung vorwärts

gibt ohne Möglichkeit der Umkehr. So weitgehend spezialisierte Organe

also, wie die Extremitäten des Affen, die sich ganz und gar auf Baumleben

zu entwickelt haben, können nicht mehr zurück, um die ganz andersartigen

der Form nach älteren Gliedmaßen des Menschen zu bilden. Mein Ergeb-

nis also lautet: der Mensch ist ein genus sui generis, das von keinem tieri-

schen Vorfahr, also auch nicht vom Affen ableitbar ist.

Diese Rede des Sonderlings hatte doch immerhin Eindruck auf das

wissenschaftliche Gremium gemacht; der Experimentalbeweis, den sie

gesehen hatten, war unwiderleglich. Infolgedessen waren sie in tiefes Nach-

denken darüber geraten, unter welcher neuen Begründung sie den lästigen

Verdächtiger der Wissenschaft - denn das wird doch so weitergehen, hier

steckt System dahinter! - loswerden könnten, ohne sich selbst zu blamie-

ren und ohne die Spielregeln der kollegialen Loyalität zu verletzen.

 

§ 14

DIE ALLOGENITÄT DES MENSCHENGESCHLECHTES

Man kann Verworrenheiten, die ein Jahrhundert lang auf einem Gebiete

geherrscht und dadurch geboten haben, mit einem Schlage beseitigen,

wenn man das richtige Prinzip der Einteilung wählt. Das richtige

aber ist allemal das, was uns durch die Natur selber aufgezwungen wird.

Dadurch wird nominalistische Willkür durch realistische Notwendigkeit

ersetzt. Wir haben das beim Intellekt erfahren, wo wir deutlich nachweisen

konnten, daß nur die Einteilung "Intellekt" als Gattungsbegriff (wobei

der bloße Name nichts zur Sache tut) und "Verstand" und "Vernunft" als

Arten des Intellektes für immer Klarheit schafft; hierbei bleibt der "Geist"

als vom Objekte stammend und mit Stromrichtung von dort außer acht.

Wer anders einteilt - und das tat die gesamte Philosophie bisher -,

schafft nur Verworrenheit und handelt wider das Gesetz der Natur.

Ebenso steht es mit dem Rassenbegriff. Daß er soviel schändliches Auf-

sehen erregt hat - aber dabei die Welt in Bewegung setzte-, sagt nichts

gegen seine Ernsthaftigkeit im Grunde. Das natürliche Einteilungsprinzip

aber liegt in der Trennung von "ethnologischen" Rassen, deren es unzählig

viele gibt, und den "anthropologischen", die nur von zweien vertreten

werden. Daneben bleibt der singuläre Fall der "Sakralrasse" bestehen, der

allein von Israel ausgefüllt wird. Wer anders einteilt, gerät in die Irre,

wofür ein grausiges Beispiel der deutsche Mißbrauch ist, der nur auf der

falschen Einteilung beruht, forciert freilich durch verbrecherischen Willen.

Graf Gobineau und später sein Schüler H. S. Chamberlain hatten

die Lehre aufgebracht, daß eine besondere Rasse die Kultur aller Völker

inszeniert habe, die irgendwoher - damals sagte man von Indien, später

hieß es vom Nordpol - in die fremden tiefer stehenden Völkerschaften

eingebrochen sei. Diese Rasse nannte Gobineau die "Arier", Chamberlain

die "Germanen". Beide hatten also hier den ethnologischen Rasse-

begriff verwendet, und schon hier lag der Fehler, der zum politischen Ver-

hängnis werden sollte. In falsche Hände geraten, führte diese Lehre zu der

Überzeugung, daß, wer ,,rassemäßig" Arier oder Germane sei, dadurch

eo ipso die Anwartschaft auf höhere Kultur in sich trage. Und welche

pikante Lehre - siehe Darwin! - fiele nicht leidenschaftlich in falsche

Hände! Als daher, so wird mir berichtet, während des zweiten Weltkrieges

das damalige deutsche Staatsoberhaupt mit dem Bevollmächtigten

Tschian-Kai-Sheks wegen bestimmter kriegswichtiger Lieferungen ver-

handelte, wies dieser in herablassender Weise den Chinesen darauf hin, daß

ja die gesamte chinesische Kultur von seiner, der "arischen" Rasse, ge-

schaffen worden sei, die Chinesen selber aber nichts weiter wären als ein

Fellachenvolk. Diese Beleidigung wurde dem chinesischen Staatsoberhaupt

mitgeteilt, und an ihr scheiterten die so überaus wichtigen Verhandlungen.

Die Szene wurde mir von der Sekretärin des chinesischen Bevollmächtig

ten, die sie mit angehört hat, mitgeteilt. Und sie ist vollkommen glaub-

würdig. Man sieht aber daraus, von welcher Wichtigkeit der Rassenbegriff

selber ist; doch nur bei seiner richtigen Einteilung bleibt er frei von Mon-

strositäten.

Diese aber kommt dadurch zustande, daß man die ethnologischen Rassen

an sich bestehen läßt, dazu aber den Begriff der "anthropologischen" bei-

fügt, der "primären" und der "sekundären", die allen ethnologischen

Rassen immanent ist. Dadurch behalten diese ihre Autarkie und sind

nicht auf Importgut durch erobernde Arier angewiesen. Im Übrigen haben

diese, als Spanier und besonders Angelsachsen, die Kultur der Unterjochten

meist zerstört und als Importgut nur Zivilisation gebracht. Die Folgerung

aber, die sich daraus ergibt, ist die Allogenität des gesamten Menschen-

geschlechtes. Das freilich greift an dessen metaphysische Wurzel, theo-

logisch gesprochen, an seinen Schöpfungsakt. "Sekundäre Rasse" aber

heißt nicht, wie es immer mißverstanden wird, minderwertige oder ver-

ächtliche Rasse, bedeutet auch nicht Kümmerrasse, sondern heißt "allein

das biologisch Nützliche herstellende Rasse". Primäre Rasse heißt "allein

das Geistige oder die Kultur schaffende Rasse". Da diese beiden eben anthro-

pologische sind und keine ethnologischen, da sie also allen ethnologischen

immanent sind und niemals ausgelassen werden, so folgt daraus, daß es

keinen Menschen gibt, der der primären oder sekundären "angehört" in dem

Sinne, wie jedermann es mit einer ethnologischen tut. Man kann also sagen

"ich bin Slawe" oder "ich bin Germane" oder "ich bin Mongole", aber

man kann nicht sagen ,,ich gehöre der primären Rasse an",wie jener ver-

derbliche Staatsmann dies von sich - ganz irrtümlicherweise sogar in sei-

nem Sinne - glaubte sagen zu dürfen. Nur die andern glaubten es ihm

nicht. Jeder Mensch ist demnach eine Mischung der beiden, und das be-

deutet seine Allogenität.

Die heftigsten Widersacher dieser Einsicht sind zunächst einmal die So-

zialisten. Von Sozialismus kann man nicht sprechen, solange er als soziale

Reformpartei neben anderen im Lande seine Stimme hat. Denn dann kann

man alles mögliche aus ihm herauslesen, und Parteien sagen immer das

Beste von sich. Erst wenn er Staat geworden ist, zeigt er, was er ist. An

keinem andern Beispiel aber kann man so gut wie hier zeigen, wie eine

ehemalige "Wissenschaft" - denn so fing es an - den Gesetzen des Massen-

wahns anheimfällt und eingefahrene Geleise schafft; der Typus des Funk-

tionärs wäre anders nicht zu erklären. Sie entfernt sich dadurch allmählich

so weit von der Wahrheit, daß sie nur mit Waffengewalt aufrechterhalten

werden kann. Nun ist jedem Sozialisten die Lehre von der Gleichheit alles

dessen, was Menschenantlitz trägt, aus der ersten Kampfzeit vor hundert

Jahren traditionsmäßig so in Fleisch und Blut übergegangen, daß es ihm

schwerfällt, etwas anderes zu denken. Der staatgewordene Sozialismus

aber handelt anders, weil er die Macht dazu hat, und daran kann man

erkennen, was jeder Sozialismus im Grunde wollen muß. Die offizielle

Einteilung der Menschheit lautet zwar "besitzende und daher ausbeu-

tende Klasse" hie und "Proletariat" dort. Aber die wirkliche, die politische,

verläuft nach der rassischen im anthropologischen Sinne, ohne daß das

zugegeben wird. In einem Aufsatz des ehemaligen Kommunisten Koest -

ler las ich einmal etwas darüber, wie eigentlich das Ideal aussieht, das in

Rußland seine höchste Gültigkeit hat, wie man also sein muß, um der

Staatsideologie möglichst zu entsprechen. Und da kam denn heraus:

wie ein Arbeiter in den Putilow-Werken breitschultrig, mit großen derben

Händen, gutmütig und ehrlich. Das aber ist ziemlich genau das, was ich

mir unter "sekundärer Rasse" vorstelle. Die Doktrin läuft nun so, daß

dieser "Proletarier" berufen sei, die neue Kultur zu schaffen, indem man

ohne weiteres annimmt, daß die Herstellung nützlicher Gegenstände wie

Zementhäuser und Maschinen, und der Bau von Tempeln und Kirchen -

die im übrigen gar nicht gebaut werden sollen - ein und dieselbe Sache

seien und von derselben Menschenart geleistet werden kann. So entsteht dann

die Sowjet-Kultur und daher der Ausrottungskampf gegen die "Intellek-

tuellen". Hinter dieser Menschengruppe, die im Gegensatz zum Putilow-

Arbeiter feingliedrig und vielleicht sogar weniger treuherzig ist, vermutet

man mit Recht eine Rasse, deren Lebensthema nicht das Nützliche,

sondern das Geistige ist und die zur Sende-Stelle dieses Geistes in einem

passiv-antennenartigen Verhältnis steht. Und so ist es ja bisher auch ge-

wesen. Die Werke der Kultur, die wir seit Jahrtausenden bewundern, sind

mit Leidenschaftlichkeit von einer dem Menschen heimlich immanenten

Rasse geschaffen worden, die ihre Aufträge von den Göttern bezog. Der

gebändigte Sowjet-Intellektuelle aber bezieht seine Aufträge von der Be-

hörde. Und genau so, wie der Sozialismus in der Wirtschaft deren einen

Pol, das private Kapital, abgeschafft hat in der irrtümlichen Meinung,

dadurch das Sozialprodukt zu erhöhen, genau so schafft er die primäre

Rasse durch Liquidierung ab in der gleichfalls irrtümlichen Meinung,

Kultur gäbe es auch ohne sie und würde letzten Endes vom Putilow

Arbeiter geschaffen. So verbirgt sich hinter dem vordergründigen Klassen-

kampf - der längst ausgetobt hat - in Wirklichkeit der Kampf gegen die

kulturschaffende Rasse, die aber keine ethnologische, sondern eine anthro-

pologische ist. Damit ist das nihilstische System geschlossen, das der Kern

von jeder Art Sozialismus ist. Odium generis humani.

Ein schwerer wiegender Einwand gegen die Allogenitätslehre kam von

seiten der christlichen Theologie. Dort wiegt die Überzeugung von der

Einheitlichkeit des Menschengeschlechtes zunächst so schwer, daß sich

ein Widerstand bemerkbar machen mußte. In der Tat hat eine frühere

Fassung das Mißverständnis möglich gemacht, daß die "Zugehörigkeit"

zur primären Rasse den Menschen der Sünde enthöbe. So aber ist es nicht

gemeint. Die Erbsünde bleibt bestehen, ja verstärkt sich nach oben zu. Als

die Lehre von der Allogenität des Menschengeschlechtes vor dreißig Jahren

zum ersten Mal in der Aristie des Jesus von Nazareth auftrat, befand sich

deren Autor selbst noch in einer überwiegend heidnischen Verfassung. Das

aber macht seinen Anspruch nicht ungültig, nach seinen letzten durch-

dachteren und, wie es scheint, endgültigen Überlegungen beurteilt zu wer-

den. Diese aber lassen eine gegenchristliche Auslegung nicht zu.

Weiter erschwerend für das Verständnis wirkt, daß die Kirche ihre eigne

Sprache hat, aus der sie nicht herauskann. Die kirchliche Sprache ist sa-

kral gestimmt und darf sich nicht nach derselben Methode korrigieren

lassen wie die Profanprosa. Unvermeidlich aber wird dadurch das

Denken gefärbt. Nun hat es sich aber herausgestellt - siehe vorigen

Paragraphen -, daß man über das Wesen des Menschen nur philosophisch

oder theologisch reden kann, biologisch dagegen nicht. Das ist nur zuläs-

sig, wenn von Dingen die Rede ist, die den Säugetierhabitus des Menschen

betreffen, also etwa von der Erbgesetzlichkeit, der dieser unterliegt. Den

Kern des Menschen aber und sein metaphysisches Schicksal treffen nur Philo-

sophie und Theologie, die hier gemeinsam in eine Sackgasse geraten. Die

Philosophie kreist um Erkenntnis, die Theologie um Verkündigung. Wer

daher ganz im Verkündigungs-Stil befangen ist, dem kann es passieren,

daß ganz handgreifliche Dinge, die in der Bibel stehen, ihm als Erkennt-

nis verschlossen bleiben; umgekehrt stößt das Wesen der Verkündigung

bei der Philosophie meist auf taube Ohren.

Die Methode, der ich mich von jeher bei aller Forschung bediente, und

an der ich streng festhielt, war, als Quellen der Erkenntnis nur die an-

schauliche Natur selber und die Werke des Genius - der ja selber Natur

ist - zu benutzen; erst in zweiter Linie kamen die Bücher der Gelehrten.

Als ich aber vor dreißig Jahren auf die Allogenität stieß und sie in der

Aristie des Jesus von Nazareth darstellte, hatte ich übersehen, daß ja in der

Religion die Stelle des Genies vollgültig vom Propheten besetzt wird. Als

ich daher, gemahnt durch die theologischen Einwände zur Kontrolle der

Lehre die ersten Kapitel des Buches Genesis sorgsam las, bemerkte ich zu

meinem nicht geringen Erstaunen, daß sie, weit entfernt, eine Widerlegung :

zu sein, vielmehr in erstaunlicher Weise deren Bestätigung sind. Ich fühle

mich erst seitdem in meiner Auffassung sicher. Unbegreiflich war es mir

nur, daß man das überlesen konnte, denn die ersten zwei Kapitel hallen

davon wider, und das zweite ist, wie ich später philologisch feststellen

konnte, geradezu um ihretwillen geschrieben (siehe § 19). Ich erkläre es mir

heute durch jene Sprachdiskrepanz und die eingefahrnen Bahnen. Theolo-

gisch übersetzt aber heißt die Allogenität: die Lehre vom doppelten - und

also mißglückten - Schöpfungsakt des Menschen. Dieser steht klar und

deutlich in der Bibel (siehe § 9). Ergründbar aber ist das alles erst, wenn

man über die Kenntnis der hebräischen Sprache verfügt. Dann aber stellt

sich ohne jeden Zweifel die Allogenitätslehre als die philosophische

Übersetzung des Schöpfungsberichtes dar.

Einen gewichtigen Einwand aber habe ich mir selber gemacht. Wenn man

sich ein physiognomisches Schema des primären Menschen macht, wenn

man also wissen will, wie er aussieht, so kommt dabei unwillkürlich das

Bild eines hochgewachsenen, zarten und feingliedrigen Menschen heraus;

umgekehrt beim sekundären. Demnach sollte man erwarten, daß alle

geistigen Menschen, die, biblisch ausgedrückt, "nach dem Ebenbilde Gottes"

geschaffen sind, auch eben diese Züge tragen. Das tun sie nun freilich in

hinreichender Anzahl. Aber es gibt auch Ausnahmen, in denen das Genie

die Züge des gemeinen Mannes trägt; man denke an Luther. Die Lehre

würde zusammenbrechen, wenn der Geist ein Produkt der Rasse wäre;

aber die Rasse ist Antenne für den Geist, und nur die primäre ist es.

Der Zwiespalt löst sich auf folgende Weise: als Mensch bin ich sowohl

geschaffen, was mein Trost und meine Zuversicht ist, als auch gezeugt,

was mein Schicksal ist. Ich bin also durch den Gattungsakt meiner Eltern

keineswegs meinem ganzen Wesen nach gezeugt, hergestellt, in die Welt

gesetzt, wie das bei den Tieren der Fall ist, die immer nur ihre artgebundene

Erbmasse mit individuellen Varianten weitergeben; denn ob ich gleich

eine Reihe von Eigenschaften als erbliche Belastung oder Förderung von

Eltern und Vorfahren übernehme: ich selbst werde nicht mitübernom-

men, denn das, was ich selber bin, originaliter, kommt in keiner noch so

langen Erbreihe vor. Daher ist der Begattungsakt der Eltern in Wahrheit

keine Zeugung, sondern das Herbeirufen meiner selbst, der ich schon vor-

her da war. Wohl aber gerate ich durch den Zeugungsakt unter die Natur-

gesetze, die mich in allem, was an mir natura naturata ist, lückenlos

bestimmen. Schon diese Deutung des elterlichen Zeugungsaktes genügt,

um klarzumachen, daß sehr wohl ein wesentlich primärer Mensch dazu

verurteilt sein kann, im habitus eines sekundären, ja einer Kümmerrasse

(Adolf Menzel!) dieses Leben zu verbringen, wobei die latente Energie

des primären Wesens das treibende Moment seines Charakters wird.

Außerdem aber unterliegt der Mensch dem Mendelschen Vererbungs-

gesetz, das eine sehr weitgehende Gültigkeit hat und dessen Wirksamkeit

es gut ist, sich möglichst plastisch vor Augen zu halten. Jedermann kann

es in seinem Garten beobachten, wenn er etwa die schöne Sonnenblume

(Helianthus hortensis) in ihrer Erbfolge sich zum Beispiel nehmen will.

Dabei wird er beobachten, daß es davon zwei Grundtypen gibt: eine mit

blauschwarzen und eine mit weißen Samenkörnern. Seit Jahrtausenden

nun werden die Blütenkelche dieser Pflanzen von Insekten beflogen, so daß

Befruchtung eintritt. Nun sollte man vermuten, daß sich die Gegensätze

Blauschwarz-Weiß längst ausgeglichen und die Blumen eine Samen-

färbung angenommen hätten, die in der Mitte liegt. Das ist aber nicht der

Fall. Sondern jeder Sommer zeigt uns, wie die völlig reinen Endtypen

Blauschwarz und Weiß stabil wiederkehren, dazwischen eine nicht sehr

große Anzahl von Mischungen, die einen mehr nach Blauschwarz, die

andern mehr nach Weiß hin. Wir sehen daraus, daß Vererbung nicht

ad infinitum verdünnt, und daß die Natur vermöge des Mendelschen

Gesetzes die einmal gebildeten Endtypen nicht untergehen läßt. Es steckt

also in jeder blauschwarzen Sonnenblume die Anlage für eine weiße, sie ist

heimlich weiß, und umgekehrt die weiße heimlich blauschwarz. Wenn die

Natur nun schon bei Pflanzen und Tieren und bei den ethnologischen

Menschenrassen diesen Erbschutz einschiebt, der die prägnanten Typen

vor dem Untergang durch ungehemmte Erbverdünnung schützt, wieviel

mehr muß sie darum besorgt sein, es auch bei den beiden anthropologi-

schen zu tun! Denn das ist von metaphysischer Wichtigkeit. Daher finden

wir, ganz nach Analogie der Sonnenblume, daß von einem Elternpaar von

typisch sekundärer Statur urplötzlich ein überaus edles Geschöpf als Kind

entspringt. Wir finden ferner, daß Menschen von ganz plebejischem Aus-

sehen größte geistige Begabung zeigen. Dieses Geistige aber verrät sich

stets an geheimen Spuren meist an den Händen, und nie hat ein solcher

ein gemeines Auge. - Mit andern Worten zusammenfassend: der Geist,

der ja nicht Eigentum des Menschen ist, wendet sich in solchen Fällen an

die latente Rassenstruktur; das biologische Schicksal aber, das ihm vom

Elternpaare aufgebürdet wurde, läuft davon unberührt einher.