Der Geschäftsmann
Methode ist die Seele des Geschäfts.
Altes Sprichwort
Ich bin ein Geschäftsmann. Ich bin ein methodischer Mann. Methode ist die Hauptsache. Nichts ist mir verhasster als jene exzentrischen Narren, die immer von Methode schwatzen und doch nichts davon verstehen; die sich pedantisch an den Buchstaben klammern und den Sinn mit Füßen treten. Solche Leute reden von planmäßiger Arbeitsweise und tun doch die abwegigsten Dinge. Ich finde, hier steckt ein richtiges Paradox. Wahre Methode eignet sich nur für das Alltägliche und Vor-Augen-Liegende, lässt sich niemals auf das Außergewöhnliche anwenden. Was sollte man sich auch unter Ausdrücken wie "methodischer Dandy" oder "systematisches Irrlicht" vorstellen?
Meine Kenntnisse über diesen Punkt wären nicht so abgeklärt, wenn mir nicht in meiner frühen Jugend ein glückliches Ereignis zugestoßen wäre. Eine gutherzige irische Amme (die ich in meinem Testament nicht vergessen werde) packte mich eines Tages bei den Fersen, als ich gerade mehr Lärm vollführte, als notwendig war, schwang mich zwei- oder dreimal durch die Luft und stieß mir dann den Schädel an den Bettpfosten. Diese Tat, behaupte ich, entschied mein Schicksal und machte mein Glück. Sofort wölbte sich eine Beule aus meiner Stirn empor und erwies sich als vortreffliches Organ für Ordnung. Von da an begann meine Neigung zu Systematik und Regelmäßigkeit, durch die ich mich zu dem herrvorragenden Geschäftsmann entwickeln konnte, der ich heute bin.
Wenn ich etwas auf Erde hasse, so ist es das Genie. Genies sind große Esel je größer das Genie, um so größer der Esel; von dieser Regel gibt es keine Ausnahme. Vor allem kann man aus dem Genie so wenig einen Geschäftsmann machen, wie Geld aus einem Juden pressen oder Muskatnüsse aus den Knorren im Föhrenholz. Solche Geschöpfe lassen sich immer von phantastischen Vorstellungen oder von lächerlichen Spekulationen ablenken, die in krassem Widerspruch zur Zweckmäßigkeit der Dinge stehen und mit dem, was man von Rechts wegen Geschäft nennt, nichts zu tun haben. Man erkennt solche Charaktere sofort an der Art ihrer Beschäftigung. Wenn einmal ein Mann sich als Kaufmann oder Handwerker niederlässt oder sich mit Baumwoll-, Tabakhandel oder ähnlichen exzentrischen Dingen abgibt, wenn einer Kurzwaren verkauft oder Seife fabriziert oder ähnliches, wenn einer sich für einen Juristen, Schmid oder Arzt oder sonst etwas Abwegiges ausgibt, so kannst du ihn ohne weiteres als ein Genie brandmarken. Er ist folglich ein Esel.
Ich selbst bin nun durchaus kein Genie, sondern ein richtiger Geschäftsmann. Mein Tagebuch und Hauptbuch werden dies im Augenblick beweisen. Sie sind gut geführt das sage ich selbst; ich bin an Pünktlichkeit und Genauigkeit so gewöhnt, dass ich darin nicht einmal von einer Uhr übertroffen werden kann. Noch mehr; ich habe meine Beschäftigungen immer so eingerichtet, dass sie mit den Gepflogenheiten meiner Mitmenschen im Einklang standen. In dieser Hinsicht fühle ich mich freilich meinen außerordentlich schwach begabten Eltern nicht verpflichtet; sie würden ohne Zweifel ein trostloses Genie aus mir gemacht haben, wenn nicht zur rechten Zeit mein Rettungsengel mich erlöst hätte. Bei einer Lebensbeschreibung, vor allem bei der eigenen ist Wahrheit die Hauptsache und doch wage ich nicht zu hoffen, dass man mir glaubt, wenn ich hiermit feierlich feststelle, dass mein schwachsinniger Vater mich, als ich etwa fünfzehn Jahre alt war, in das Kontor eines "achtenswerten Metallwaren-Kommissionshändlers" steckte, "eines Mannes, der das Geschäft in großzügiger Weise betrieb", wie er sich ausdrückte! Ja, ein großzügiger Possenstreich! Die Folge dieser Torheit war, dass ich nach zwei bis drei Tagen mit hochgradigem Fieber und überaus heftigen und gefährlichen Schmerzen in der Stirn, rund um mein Organ für Ordnungssinn, zu meiner bornierten Familie zurückgeschickt werden musste. Um ein Haar wäre es damals um mich geschehen gewesen ich schwebte sechs Wochen lang zwischen Leben und Tod die Ärzte hatten mich bereits aufgegeben, und so weiter. Aber trotzdem ich schwer leiden musste, war ich doch im Grunde meines Herzens ein dankbarer Junge. Man erlöste mich mit der Aussicht, "ein achtenswerter Metallwaren-Kommissionshändler, der das Geschäft in großzügiger Weise betreibt," zu werden, und ich fühlte mich meinen Stirnvorsprung dankbar, der mir Mittel zur Rettung geworden war, und auch jenem gutherzigen Weib, dem ich jenes Mittel zur Rettung ursprünglich zu verdanken hatte.
Die meisten Jungen brennen mit zehn oder zwölf Jahren von Hause durch, ich aber wartete, bis ich sechzehn war. Ich weiß nicht einmal, ob ich dann ausgerissen wäre, wenn ich nicht zufällig meine alte Mutter davon hätte sprechen hören, mich im Kolonialwarenhandel unterzubringen. Kolonialwarenhandel man stelle sich vor! Ich beschloss, mich auf der Stelle aus dem Staube zu machen und zu versuchen, mir auf eigene Faust eine entsprechende Beschäftigung zu suchen, ohne mich länger den Launen der exzentrischen alten Leute auszusetzen und Gefahr zu laufen, schließlich doch noch zum Genie gemacht zu werden. Bei diesem Vorhaben hatte ich auf den ersten Anhieb Erfolg und als ich eben achtzehn Jahre alt geworden war, fand ich mich in einer ausgedehnten und gewinnbringenden Tätigkeit in der "Mode-Spaziergangs-Schau-Branche".
Nur durch rücksichtsloses Festhalten am Planmäßigen, das das leitende Element meines Geistes war, wurde ich befähigt, die schwierigen Pflichten dieses Berufes zu erfüllen. Peinliche Methodik äußerte sich ebenso in meinen Handlungen wie in meinen Rechnungen. Bei mir war es Methode, nicht Geld, was den Mann macht, das heißt, soviel von ihm nicht der Schneider machte, dem ich diente. Jeden Morgen um neun Uhr suchte ich den Mann auf und fragte nach den Kleidern des Tages. Um zehn Uhr befand ich mich auf einem vornehmen Promenadenweg oder an einem öffentlichen Vergnügungsort. Die abgemessene Methode, mit der ich meine anmutvolle Persönlichkeit hin und herwandte, um in zweckentsprechender Folge jeden Teil des Anzugs sehen zu lassen, den ich trug, erwarb sich bald die Bewunderung aller Kenner auf diesem Gebiet des Handels. Niemals ging die Mittagsstunde vorüber, ohne dass ich einen Kunden in das Geschäft meiner Arbeitgeber, der Herrn Schnitt und Kommwieder, brachte. Ich sage dies mit Stolz und doch mit Tränen in den Augen, denn die Firma erzeigte mir krasse Undankbarkeit. Die kleine Rechnung, über der wir in Streit gerieten und schließlich auseinandergingen, kann doch wirklich von Herren, die etwas vom Wesen des Geschäfts verstehen, nicht als überspannt bezeichnet werden. Ich fühle eine gewisse stolze Genugtuung, wenn ich dem Leser gestatte, ein eigenes Urteil zu fällen. Meine Rechnung lautete so:
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Dollar |
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Juli 10. |
Spaziergang wie gewöhnlich und Kunden eingebracht |
-,25 |
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Juli 11. |
Spaziergang wie gewöhnlich und Kunden eingebracht |
-,25 |
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Juli 12. |
Lüge zweiter Klasse; schadhaftes schwarzes Tuch für unsichtbares Grün verkauft |
-25 |
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Juli 13. |
Lüge erster Klasse, extra Qualität und Maß; gewalkten Halbatlas als feines schwarzes Tuch bezeichnet |
-,75 |
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Juli 20. |
Nagelneuen Papierhemdkragen mit dito Vorhemd angekauft, um grauen Flausch hervorzuheben |
-,02 |
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August 15. |
Doppelt gefütterten Gehrock getragen (Thermometer 106 Grad Fahrenheit im Schatten) |
-,25 |
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August 16. |
Drei Stunden lang auf einem Bein gestanden, um einen neuen Stil von Hosenstegen zu zeigen; 12 _ Cent das Bein in der Stunde |
-,37 _ |
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August 17. |
Spaziergang wie gewöhnlich und schweren Kunden eingebracht (dicken Herrn) |
-,50 |
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Übertrag |
2,64 _ |
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Übertrag |
2,64 _ |
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August 18. |
Spaziergang wie gewöhnlich und schweren Kunden eingebracht (Mittelgröße) |
-,25 |
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August 19. |
Spaziergang wie gewöhnlich und schweren Kunden eingebracht (kleine Figur und schlechter Zahler) |
-,06 |
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Dollar |
2,95 _ |
Der Punkt, in dem die Rechnung vor allem angefochten wurde, war die äußerst mäßige Berechnung von 2 Cent für Hemdkragen und Vorhemd. Auf Ehre, es war kein unvernünftiger Preis für dieses Vorhemd. Es war eines der reinsten und hübschesten kleinen Vorhemden, die ich je sah; und ich habe guten Grund zu der Annahme, dass es den Verkauf von drei Flauschröcken bewirkte. Der ältere Inhaber der Firma wollte mir nur 1 Cent für diesen Posten zugestehen und nahm es auf sich, zu beweisen, dass man 4 Vorhemden von solcher Größe aus einem Blatt Kanzleipapier machen könnte. Es ist überflüssig, zu sagen, dass ich auf dem Prinzip der Sache beharrte. Geschäft ist Geschäft und muss nun einmal geschäftsmäßig betrieben werden. Darin lag nichts Planmäßiges, mich um einen Cent zu betrügen eine glatte Unterschlagung von fünfzig Prozent durchaus keine Methode. Ich kündigte sofort meinen Vertrag mit den Herren Schnitt und Kommwieder und beteiligte mich auf eigene Faust in der "Dorn im Auge-Branche", einer der gewinnbringendsten, achtenswertesten und unabhängigsten unter den geläufigen Beschäftigungsweisen.
Hier traten wieder meine peinliche Redlichkeit, Sportsamkeit und zielbewussten geschäftlichen Gewohnheiten zu Tage. Bald steckte ich mitten in einem blühenden Geschäftsbetrieb und wurde in Geschäftskreisen ein bekannter Mann. Ich gab mich nämlich niemals mit unsicheren Geschichten ab, sondern arbeitete mich getreu den alterprobten sauberen Gewohnheiten des Berufes voran, eines Berufes, in dem ich wohl bis heute geblieben wäre, wenn mich nicht bei Verfolgung einer der mit diesem Berufe erknüpften geschäftlichen Operationen ein kleines Missgeschick betroffen hätte. Wenn einmal ein reicher Mann oder ein verschwendungssüchtiger Erbe oder ein bankerotte Gesellschaft sich in den Kopf gesetzt hat, einen Palast aufzuführen, so gibt es, wie jeder intelligente Mensch weiß, auf dieser Welt nichts, was sie davon abbringen könnte. Auf dieser Tatsache ruht der Grundgedanke des "Dorn im Auge-Geschäfts." Sobald ein Bauplan von einem solchen Unternehmer vorgesehen ist, sichern wir Geschäftsleute uns einen hübschen Winkel des geplanten Bauplatzes oder ein kleines Grundstück, das sich daran anschließt oder gerade vor dem Bauplatz liegt. Ist dies geschehen, so warten wir ab, bis der Palast zur Hälfte erbaut ist, und stellen dann einen Architekten mit gutem Geschmack an, der uns unmittelbar daneben eine ornamentale Lehmhütte oder eine kitschige Pagode oder einen Schweinestall oder irgend einen anderen kleinen Phantasiebau entweder Eskimo-, Kickapoo- oder Hottentottenstil hinstellt. Natürlich können wir unsre Bauten nicht unter einem Reingewinn von 500 Prozent der Kosten für den Bauplatz und die Arbeit wieder abtragen. Können wir es denn? Ich stelle die Frage. Ich frage als Geschäftsmann. Es wäre eine Vernunft anzunehmen, dass wir es könnten. Und doch war da so eine bornierte Gesellschaft, die mich gleich darum anging, ausgerechnet so zu handeln; ausgerechnet so! Ich gab auf ihren absurden Vorschlag natürlich keine Antwort, sah mich aber verpflichtet, noch in derselben Nacht hinzugehen und den ganzen Palast schwarz anzustreichen. Dafür ließen mich die vernunftlosen Schurken einsperren; und die Herren des "Dorn im Auge-Geschäfts" konnten nicht wohl anders handeln, als dass sie sofort die Verbindung mit mir lösten, sobald ich aus dem Gefängnis gekommen war.
Das "Tritt- und Hieb-Geschäft", in dem ich mich jetzt genötigt sah, meinen Unterhalt zu suchen, war der zarten Verfassung meiner Natur etwas ungeschickt angepasst; trotzdem machte ich mich frohgemut an die Arbeit und fand infolge meiner unerschütterlichen Gewohnheiten und methodischen Genauigkeit, die mir jene reizende alte Amme beigebracht hatte ich wäre in der Tat ein schlechter Mensch, wenn ich ihrer nicht in meinem Testament gedenken würde , wie überall so auch hier mein Auskommen. Ich arbeitete wie gesagt nach peinlicher Methode und hielt mir eine Reihe ausgezeichnet geführter Bücher; dadurch wurde ich in die Lage versetzt, über so manche ernstlichen Schwierigkeiten wegzukommen und mich schließlich in der Branche recht wohl einzurichten. Ich glaube, dass nur wenige Leute auf irgendwelchem Gebiet ein glatteres kleines Geschäft betrieben als ich. Ich will hier nur eine Seite ungefähr aus meinem Tagebuch abschreiben; dies enthebt mich der Notwendigkeit, mein eigenes Lob zu singen, eine verachtungswürdige Sache, mit der sich ein hochherziger Mann nicht gerne befasst. Nun, mein Tagebuch kennt die Lüge nicht.
"1. Januar. Traf Schnapp auf der Straße, angeheitert. Schön! er ist geeignet. Traf gleich darauf Gruff, völlig betrunken. Schön! auch er ist geeignet. Trug die beiden Namen in mein Hauptbuch ein und eröffnete jedem ein laufendes Konto.
2. Januar. Traf Schnapp auf der Börse, ging auf ihn zu und trat ihn auf die Zehen. Ballte die Faust und schlug mich nieder. Gut! Kam wieder hoch. Hatte einige Differenzen mit Bag, meinem Rechtsbeistand. Ich forderte 1000 Dollar Entschädigung, aber er sagte, für einen einfachen Fausthieb könnten wir nicht mehr als 500 fordern. Schön! muss mich von Bag trennen hat keine Methode.
3. Januar. Ging ins Theater, um Gruff zu treffen; fand ihn in einer Seitenloge im zweiten Rang zwischen einer üppigen und einer schlanken Dame. Fixierte die ganze Gesellschaft durch mein Opernglas, bis ich bemerkte, dass die üppige Dame errötete und mit Gruff flüsterte. Begab mich darauf in die Loge und brachte meine Nase in Reichweite seiner Hand. Wollte aber nicht daran ziehen. Fehlschlag! Blies die Nase auf und versuchte es von neuem. Fehlschlag! Setzte mich und zwinkerte der schlanken Dame zu; hatte die Genugtuung, dass er mich sogleich im Genick beim Kragen packte und ins Parterre hinunterwarf. Verrenkte das Genick und brach das rechte Bein. Begab mich vergnügt nach Hause, trank eine Flasche Champagner und belastete den jungen Mann mit fünftausend Dollar. Bag behauptete, dass es ginge.
15. Februar. Der Fall Schnapp wird beigelegt. Gewinnbetrag siehe Journal fünfzig Cent.
16. Februar. Verlor den Prozess gegen den Schurken Gruff. Er machte mir ein Geschenk von fünf Dollar. Gerichtskosten vier Dollar fünfundzwanzig Cent. Reingewinn siehe Journal fünfundsiebzig Cent.
Folglich in ganz kurzer Zeit allein in den Fällen Schnapp und Gruff ein Reingewinn von nicht weniger als ein Dollar und fünfundzwanzig Cent; ich gebe dem Leser die Versicherung, dass diese Auszüge meinem Tagebuch nur aufs Gratewohl entnommen sind.
Es ist ein altes und wahres Sprichwort, dass Geld nichts bedeutet im Vergleich zu Gesundheit. Ich fand die Ausübung dieses Berufes etwas zu anstrengend für meinen zarten Körper und machte schließlich die Entdeckung, dass ich ganz außer Form geschunden wurde, so dass ich mir gar nimmer zu helfen wusste. Wenn mir meine Freunde auf der Straße begegneten, erkannten sie oft nicht mehr, dass ich Peter Profit war. Es schien mir daher geraten, zu einem anderen Geschäftszweig überzugehen. Ich richtete mein Augenmerk also auf das "Schmutzspritz-Geschäft" und blieb dabei ein paar Jahre lang.
Das Schlimmste bei dieser Beschäftigung ist, dass zu viele Leute sich dazu hingezogen fühlen; die Bewerbung ist infolgedessen übermäßig stark. Jeder Nichtskönner, der erkannt hat, dass es ihm an der nötigen Gehirnmenge fehlt, um Schauspaziergänger, Dorn-im-Auge-Mann oder Tritt-und-Hieb-Mann zu werden, denkt offenbar, dass er sich recht wohl zum Schmutzspritzer eignet. Aber auf diesem Gebiete ist ja ohne Methode absolut nichts auszurichten. Ich betrieb dieses Geschäft nur im kleinen, und doch brachten mich meine methodischen Gewohnheiten spielend vorwärts. Ich wählte in erster Linie meine Straßenkreuzung mit großer Überlegung und legte nirgends in der Stadt einen Besen an als hier. Ich sorgte dafür, dass immer eine hübsche kleine Pfütze in Bereitschaft war, die ich in einer Minute erreichen konnte. Durch dieses mein Verfahren wurde ich gar bald als Mann bekannt, auf den man sich verlassen kann. Und damit ist das will ich hiermit feststellen im Handel die halbe Schlacht schon geschlagen. Jeder beeilte sich, mir einen Kupfer zu geben, und gelangte dafür über meine Straßenkreuzung mit einem reinen Paar Hosen. Nachdem meine geschäftliche Arbeitsweise auf diesem Gebiete zur Genüge bekannt war, erlebte ich niemals, dass einer den Versuch gemacht hätte, sich dagegen aufzulehnen. Wenn es mir vorgekommen wäre, so hätte ich verstanden, dem zu begegnen. Ich selbst betrog nie jemand und duldete darum auch nicht, dass man mit mir den Narren trieb. Freilich konnte ich nicht verhindern, dass das Militär mich betrog. Die Zahlungsweigerung von dieser Seite war mir äußerst unangenehm. Aber hier handelte es sich nicht um Einzelwesen, sondern um eine Körperschaft; und Körperschaften haben, wie jedermann weiß, weder Körper, die man prügeln, noch Seelen, die man verfluchen kann.
Ich verdiente Geld bei diesem Geschäft. Aber in einer üblen Stimmung entschloss ich mich, in das "Hundebeschmier-Geschäft" überzutreten, eine der vorhergehenden ähnliche, aber leider bei weitem nicht so achtenswerte Branche. Immerhin hatte ich einen ausgezeichneten Platz in zentraler Lage und besaß hervorragende Wichse und Bürsten. Auch mein kleiner Hund war recht fett und schlau. Er war schon lange in der Branche tätig und, ich muss sagen, er verstand sich darauf. Wir gingen folgendermaßen zu Werk: Pompey wälzte sich im Schmutz und setzte sich vor die Tür des Ladens, bis er einen Dandy in spiegelblanken Schuhen bemerkte. Diesem ging er entgegen und rieb sich ein paar Mal an den Wellingtons. Der Dandy fluchte furchtbar und sah sich dann nach einer Gelegenheit um, wo er sich die Schuhe reinigen lassen könnte, und da stand ich in Lebensgröße mit Wichse und Bürsten. Nach einer Minute Arbeit war alles geschehen, und dann kam ein Sixpence zum Vorschein. Für einige Zeit war dies ausreichend; ich war ja nicht habgierig. Aber mein Hund war es. Ich gestand ihm ein Drittel der Einnahme zu, aber er bestand auf der Hälfte. Dies war mir zu viel wir bekamen Streit und trennten uns.
Eine Zeitlang versuchte ich mich nun im "Ohren-Qual-Geschäft" und muss sagen, dass ich mich auch hierbei recht gut stellte. Es handelt sich da um ein einfaches, zielbewusstes Geschäftsverfahren, das keine besondere Begabung erfordert. Man verschafft sich eine Drehorgel, die immer dasselbe Lied spielt, und braucht, um sie tauglich zu machen, nur das Werk bloßzulegen und mit einem Hammer drei- oder viermal kräftig draufzuschlagen. Dieses Verfahren gibt dem Instrument die zu Geschäftszwecken geeignete musikalische Verfassung, wie man sie sich nicht besser wünschen kann. Ist dies geschehen, so braucht man nur mit der Orgel auf dem Rücken umherzuziehen, bis man irgendwo Holzpflaster und mit Wildleder umwickelte Türklopfer findet. Hier macht man Halt und orgelt; und man muss sich dabei den Anschein geben, als ob man bis zum jüngsten Tag dableiben und orgeln wollte. Sogleich wird ein Fenster geöffnet, und irgend jemand wirft einen Sixpence herunter und bittet, man möchte aufhören und weitergehen. Ich habe bemerkt, wie sich Orgeldreher schon durch diese Summe bewegen ließen, weiterzuziehen; ich für meinen Teil finde die notwendigen Geschäftsunkosten zu groß, um mir gestatten zu können, das Feld unter einem Schilling zu räumen.
Mit dieser Beschäftigung verdiente ich ein hübsches Stück Geld; aber dennoch fand ich nicht die rechte Befriedigung dabei und gab sie schließlich auf. Ich arbeitete nämlich unter ungünstigen Verhältnissen, weil ich keinen Affen hatte; auch sind die amerikanischen Straßen so schmutzig, der demokratische Mob so aufdringlich; es wimmelt von händelsüchtigen, boshaften kleinen Jungen.
Einige Monate lang war ich ohne Beschäftigung, aber schließlich gelang es mir durch scharfe Beobachtung, das "Falsche-Brief-Geschäft" zu erlernen. Die hiermit verknüpfte Tätigkeit ist einfach und wirft auch befriedigenden Gewinn ab. Zum Beispiel: Früh am Morgen machte ich mein Paket falscher Briefe zurecht. Auf die Briefbogen kritzelte ich ein paar Worte irgend etwas Mystisches , zeichnete als Tom Dobson oder Bobby Tompkins oder ähnlich, streckte sie in die Umschläge, siegelte sie und versah sie mit falschen Marken von Neu-Orleans, Bengalen, Botany-Bai oder von irgendeinem anderen weit entlegenen Platz , und begab mich dann sofort auf meinen täglichen Rundgang, als ob ich große Eile hätte. Ich sprach immer nur bei großen Häusern vor, lieferte die Briefe ab und nahm die Postgebühren dafür in Empfang. Niemand weigert sich, für einen Brief, vor allem für einen doppelten, zu bezahlen die Leute sind ja so dumm und es hatte auch keine Gefahr, um die nächste Ecke zu verschwinden, ehe Zeit war, die Briefe zu öffnen. Schlimm war an dieser Tätigkeit, dass ich so viel und rasch gehen musste und häufig mit der Route zu wechseln hatte. Außerdem litt ich an Gewissensbissen. Ich konnte es nicht ertragen, unschuldige Personen übers Ohr zu hauen auch war die Art und Weise, wie die ganze Stadt auf Tom Dobson und Bobby Tompkins schimpfte, peinlich anzuhören. Voll Ekel wusch ich mir die Hände von dieser unreinlichen Geschichte rein.
Meine achte und letzte Spekulation war das "Katzenschwanz-Geschäft". Dies ist ein äußerst angenehmes und dankbares Geschäft und verursacht keinerlei Scherereien. Bekanntlich ist das Land mit Ratten geradezu überschwemmt; es wurde daher der gesetzgebenden Versammlung bei ihrer letzten denkwürdigen Sitzung ein zahlreich und mit gewichtigen Namen unterzeichnetes Gesuch um Befreiung vorgelegt, und nachdem die Versammlung andre Dinge und heilsame Maßnahmen beschlossen hatte, krönte sie ihr Werk mit der Katzen-Akte. In der ersten Fassung setzte die Verordnung eine Belohnung für Katzenköpfe (vier Pence für das Stück) aus, aber der Senat traf eine wichtige Änderung, indem er für Köpfe das Wort Schwänze einsetzte. Die Änderung war sehr angebracht, und das Haus stimmte ohne Ausnahme zu.
Sobald der Gouverneur die Akte unterzeichnet hatte, verwandte ich mein ganzes Vermögen darauf, Kater und Katzen einzukaufen. Zuerst konnte ich sie nur mit Mäusen füttern (weil die billig sind), aber sie taten mir so gute Dienste, dass ich es für angemessen erachtete, großzügig zu sein, und sie mit Austern und Taubenbraten nährte. Ihre Schwänze, für die der gesetzlich festgelegte Preis gezahlt wird, bringen mir ein gutes Einkommen, denn ich habe ein Verfahren entdeckt, durch Anwendung von Makassaröl drei Ernten im Jahr zu erzielen. Es freut mich, feststellen zu können, dass die Tiere sich bald an die Sache gewöhnt haben und sich die Schwänze gerne abschneiden lassen. Ich halte mich für einen gemachten Mann und stehe zurzeit in Unterhandlungen wegen eines Landhauses am Hudson.