Mellonta tauta

An Bord der "Himmelslerche"

  1. April 2848

Nun, mein lieber Freund — kommt die Strafe Deiner Sünden: ein langer Plauderbrief. Ich verkünde Dir feierlich: für alle Deine üblen Angewohnheiten will ich Dich strafen. Für Deine Langweiligkeit, für Deine Unbeständigkeit, Dein Faseln und ödes Schwatzen. Außerdem bin ich hier mit ein- oder zweihundert Subjekten in ein schmutziges Luftschiff gesperrt, die alle vorhaben, eine Vergnügungstour zu machen. (Was für einen merkwürdigen Begriff doch gewisse Leute von Vergnügen haben!) Einen Monat wird es wohl mindestens währen, ehe ich den Fuß wieder auf festes Land setzen darf. Kein vernünftiges Wesen, mit dem man sich unterhalten kann! Keine Möglichkeit, etwas zu tun! Nun, und wenn der Mensch keine Arbeit hat, dann ist es an der Zeit, mit Freunden zu korrespondieren. Merkst Du jetzt, warum ich diesen Brief schreibe? Meiner Langeweile und Deiner Sünden wegen!

Setze also Deine Brille auf und mache Dich gefasst, angeödet zu werden. Ich habe vor, Dir jeden Tag zu schreiben, so lange diese abscheuliche Reise dauert.

Heiho! Wann wird der Menschenschädel endlich einer vernünftigen Erfindung zugänglich sein? Werden wir in alle Ewigkeit zu den tausend Unannehmlichkeiten einer Ballonfahrt verdammt bleiben? Wird nie jemand eine flottere Art der Beförderung ausfindig machen? Dieser Schlendrian ist meiner Meinung nach beinahe eine Tortur. Auf Ehre, seit unserem Aufstieg haben wir nicht viel mehr als hundert Meilen in der Stunde zurückgelegt. Sogar von den Vögeln werden wir überholt — wenigstens von manchen. Ich versichere Dir, ich übertreibe durchaus nicht. Freilich erscheint unsere Vorwärtsbewegung langsamer, als sie tatsächlich ist; wohl weil wir keine Gegenstände neben uns haben, die uns zur Schätzung unserer Schnelligkeit dienen könnten, und weil wir mit dem Winde fliegen. Nur wenn wir einem Ballon begegnen, ist eine Möglichkeit vorhanden, unsere Fluggeschwindigkeit zu bemessen, und dann sieht, wie ich zugebe, die Sache besser aus. Übrigens: trotz meiner Gewöhnung an diese Art des Reisens kann ich mich eines Schwindels nicht erwehren, sobald ein anderer Ballon, vom starken Winde treibend, dicht über uns dahinfliegt. Das erscheint mir immer, als ob ein ungeheurer Raubvogel auf uns herunterstoßen und uns in seinen Fängen forttragen wolle. Einer flog heute früh bei Sonnenaufgang so dicht über uns weg, dass sein Schlepptau das Netzwerk berührte, an dem unsere Gondel aufgehängt ist. Da weiß man, was Besorgnis heißt. Unser Kapitän behauptete, wenn der Stoff unserer Ballonhülle dieselbe Schundseide gewesen wäre, die vor fünfhundert bis tausend Jahren in Gebrauch war, so würden wir unrettbar Schiffbruch gelitten haben. Wie der Mann mir erklärte, war diese Seide aus den Eingeweiden einer Art von Würmern gefertigt. Der Wurm wurde sorgfältig mit Maulbeeren (einer der Wassermelone ähnlichen Frucht) gefüttert und, wenn genügend gemäßtet, in einer Mühle zerquetscht. Die so entstehende Paste wurde in ihrem Urzustand Papyrus genannt und hatte eine Reihe von Behandlungen durchzumachen, bis sie schließlich zur "Seide" wurde. Unglaublicherweise wurde dieses Gewebe für Frauenkleider außerordentlich bevorzugt! Doch wurde es ziemlich allgemein auch zur Herstellung von Ballons gebraucht. Später wurde, wie es scheint, ein besseres Material entdeckt, nämlich eine Art von Flaumwolle, welche die Samenkapsel einer Pflanze umgab, die vulgär Euphorbium hieß und botanisch Wolfsmilch genannt war. Diese Art Seide nannte man wegen ihrer großen Dauerhaftigkeit "Buckinghamseide", sie wurde in der Regel vor dem Gebrauch mit einer Lösung von Kautschukgummi überzogen. Dies ist eine Substanz, die in mancher Beziehung dem heute allgemein verwendeten Guttapercha ähnlich gewesen sein muss. Dieser Kautschuk hieß India Rubber oder Rubber of Twist und war zweifellos einer der häufigen Schwämme. Lass mich nicht wieder hören, dass ich nicht in tiefsten Herzen ein Altertumsforscher bin.

Da ich eben von Schlepptau spreche — unser eigenes hat, wie es scheint, soeben von einem der kleinen magnetischen Dampfer, die im Ozen unter uns massenhaft herumschwärmen, einen Mann über Bord geschleudert. Diese Dampfer sind Schiffe von etwa sechstausend Tonnen und immer außerordentlich überfüllt. Es sollte verboten werden, dass sie mehr als eine bestimmte Anzahl von Passagieren aufnehmen dürfen. Natürlich wartete man nicht, bis der Mann wieder an Borg steigen konnte, und bald war er mitsamt seinem Rettungsgürtel außer Sicht. Ich freue mich, mein lieber Freund, in einem so aufgeklärten Zeitalter zu leben, wo man sich um ein einzelnes Individuum nicht mehr kümmert. Wahre Humanität rechnet eben nur mehr mit Massen. Übrigens, da ich gerade von Humanität spreche, weißt Du, dass unser unsterblicher Wiggins in seinen Ansichten über soziale Zustände durchaus nicht so originell ist, wie seine Zeitgenossen glauben? Pundit versichert mir, dass dieselben Gedanken fast in derselben Form vor etwa tausend Jahren von einem irischen Philosophen namens Furrier ausgesprochen und in die Wirklichkeit umgesetzt wurden, indem er einen Kleinhandel mit Katzenfellen und Pelzen betrieb. Pundit weiß Bescheid, Du weißt’s; also muss es wohl stimmen. Wie wunderbar sehen wir täglich die tiefsinnige Bemerkung des Hindu Aries Trotteles bestätigt, der nach Pundit sagte: "Wir müssen also behaupten, dass dieselben Ansichten nicht nur einmal, zweimal oder wenige Male, sondern in immerwährender Wiederkehr den Kreislauf wiederholen."

2. April. — Wir sprachen heute von dem magnetischen Kutter, der die eine Abteilung der schwebenden Telegraphendrähte zu beaufsichtigen hat. Ich erfuhr, dass es damals, als diese Art von Telegraphie zuerst durch Horse eingeführt wurde, für absolut unmöglich galt, die Drähte über die See zu spannen. Jetzt ist es allerdings unverständlich, wo die Schwierigkeit gelegen hat! So ändert sich die Welt. Tempor mutantur — entschuldige, dass ich Etruskisch zitiere. Was würden wir heute ohne den atlantischen Telegraphen anfangen? (Pundit sagt, atlantisch sei ein altes Adjektiv.) Wir drehten ein paar Minuten lang bei, um dem Kutter ein paar Fragen zu stellen, und hörten unter anderem wichtige Neuigkeiten, dass in Afrika Bürgerkrieg wüte und in Europa und Asien die Pest ihr nützliches Werk in prachtvoller Weise vollbringt. Ist es nicht wirklich merkwürdig, dass die Menschheit, bevor die Humanität ihr blendendes Licht auf die Philosophie warf, Krieg und Seuche als schwere Plagen ansah? Weißt Du, dass tatsächlich in den früheren Tempeln Andachten abgehalten wurden, um diese Plagen (!) von der Menschheit abzuwenden? Ist es nicht wirklich schwer zu verstehen, aus welchen Beweggründen unsere Vorväter so handelten? Waren sie so blind, nicht zu erkennen, dass die Vernichtung einer Myriade von Individuen der größte Vorteil für die Masse sei?

3. April — Es ist wirklich ein großartiges Vergnügen, die Strickleiter hinaufzuklettern, die auf die Plattform der Ballonhülle führt, und von dort die Umgebung zu betrachten. Von der Gondel unten, weißt Du, ist die Aussicht nicht so umfassend; Du kannst in vertikaler Richtung wenig sehen. Wenn man jedoch hier auf der elegant gepolsterten offenen Plattform sitzt, wo ich Dir eben dies schreibe, kann man nach jeder Richtung hin alles sehen, was vorfällt. Gerade jetzt ist ein ganzer Schwarm von Ballons in Sicht. Sie bieten einen sehr munteren Anblick, und der Luftraum hallt wider von dem Durcheinander so vieler Millionen menschlicher Stimmen. Ich habe gehört, dass die Zeitgenossen dem Cello (Pundit behauptet, er habe Viola geheißen), der für den ersten Luftschiffer gilt, kaum zuhörten, als er die Möglichkeit feststellte, die Luft nach allen Richtungen zu durchkreuzen, indem man einfach auf- oder absteige, bis man einen günstigen Luftstrom erreicht hätte. Sie hielten ihn für einen genialen Narren, weil die Philosophen (?) jener Zeit die Sache für unmöglich erklärten. Uns erscheint es jetzt umgekehrt unglaublich, wie etwas so selbstverständlich Ausführbares dem Verständnis der früheren Gelehrten entgegen konnte. Doch sind da ja zu allen Zeiten dem Fortschritt der Künste und Wissenschaften die größten Schwierigkeiten gerade von den sogenannten Wissenschaftlern bereitet worden. Allerdings sind unsere heutigen Wissenschaftler nicht ganz so verblendet wie die früheren. — Übrigens habe ich Dir zu diesem Punkt noch etwas Sonderbares zu erzählen. Weißt Du, dass noch nicht tausend Jahre vergangen sind, seit die Metaphysiker sich dazu verstanden haben, die Menschen von der merkwürdigen Einbildung zu befreien, dass nur zwei Wege zur Erkenntnis der Wahrheit führten? Glaube es, wenn du kannst! Vor langer, langer Zeit, scheint es, lebte im Dunkel der Vergangenheit ein türkischer oder Hindu-Philosoph, der schone erwähnte Aries Trotteles, der für jene Art der Forschung eintrat, die man damals als die deduktive oder aprioristische bezeichnete. Er ging von dem, was er Grundsätze oder "selbstverständliche Wahrheiten" nannte, aus und schritt dann "logisch" zu Schlussfolgerungen fort. Seine berühmtesten Schüler waren ein gewisser Neuklid und ein gewisser Cant. Aries Trotteles fand größten Anklang, bis ein gewisser Hog mit dem Beinamen "Ettrick Shpepher" auftauchte, der ein ganz anderes System verkündete, welches er das a posteriori oder induktive nannte. Sein System geht hauptsächlich auf die Empfindung zurück; er ging durch Beobachtung, Analysierung und Klassifizierung der Tatsachen — instantiae naturae, wie sie in gekünstelter Weise damals genannt wurden — vor und brachte sie in allgemeine Gesetze. Mi einem Wort: Aries Trotteles’ Methode war auf Noumena, Hogs’ Methode auf Phaenomena gegründet. So groß war damals die Bewunderung, die diese letztere Methode erregte, dass bei ihrem ersten Bekanntwerden Aries Trotteles in Verruf geriet. Schließlich gewann er aber wieder Boden und konnte so das Reich der Wahrheit mit seinem modernen Rivalen teilen. Jetzt behaupteten die Gelehrten, dass die Wege nach Aristoteles und Bacon die beiden einzigen zur Erkenntnis seien. Bacon aber, musst du wissen, bedeutet Hog, nur klingt es besser und etwas gewählter.

Nun kann ich Dir, mein lieber Freund, aufs bestimmteste versichern, dass ich diese Frage in billiger Weise und mit wirklicher Autorität behandle. Du kannst Dir wohl denken, wie eine so sichtlich absurde Vorstellung den Fortschritt alles wahren Wissens hemmen musste, das doch fast ausnahmslos in intuitiven Sprüngen vorwärts geht. Das alte Prinzip beschränkte die Forschung auf Kriechen und Schleichen. Besonders für Hog war man hundert Jahre lang so sehr eingenommen, dass allem Denken, soweit es diesen Namen mit recht verdient, definitiv ein Ende gemacht wurde. Niemand wagte eine Wahrheit auszusprechen, die er nur in seiner eigenen Seele empfunden hatte. Es kam durchaus nicht darauf an, ob die Wahrheit auch als solche nachweisbar war. Denn die gelehrten Dickschädel jener Zeit sahen nur auf den Weg, der zu ihr geführt hatte. Das Ende wollten sie sich nicht einmal betrachten. "Die Mittel wollen wir sehen," riefen sie, "die Mittel!" Wenn es sich nach Betrachtung der Mittel herausstellte, dass diese weder unter der Kategorie Aries oder Ram noch unter der Kategorie Hog einzureihen waren, dann gingen die Gelehrten nicht weiter, sondern erklärten den "Theoretiker" für einen Narren und wollten weder mit ihm noch mit seiner Wahrheit irgend etwas zu tun haben.

Nun kann man nicht behaupten, dass durch das Schleich- oder Kriechsystem auch im Laufe langer Zeiten die größte Summe von Wahrheit eingeheimst werden könnte. Denn die Unterdrückung der Einbildungskraft war ein Übel, das auch nicht durch die überlegene Sicherheit der früheren Forschungsmethoden ausgeglichen werden konnte. Dieser Irrtum glich dem Irrtum jenes Klugen, der sich einbildet, er könne einen Gegenstand um so besser sehen, je näher er ihn seinen Augen brächte. Diese Leute verwirrten sich selbst durch die Einzelheiten. Wenn sie nach Hog vorgingen, waren ihre "Tatsachen" keineswegs immer Tatsachen. Das wäre ja nicht so sehr von Übel gewesen, wenn sie nicht angenommen hätten, es seien Tatsachen und müssten Tatsachen sein, weil sie wie solche aussähen. Gingen sie aber à la Ram vor, so war ihr Weg gewundener als ein Bockshorn. Denn sie fanden niemals ein Axiom, das überhaupt ein Axiom gewesen wäre. Sie müssen selbst für die damalige Zeit recht verblendet gewesen sein, dass sie dies nicht bemerkten; denn schon damals waren viele der vorher "festgestellten" Axiome nicht mehr gültig. Z. B. "Ex nihilo nihil fit", "ein Körper kann nicht wirken, wo er nicht ist", "Antipoden können nicht existieren", "Dunkelheit kann nicht aus Licht entstehen" — alle diese und etwa ein Dutzend ähnlicher Behauptungen, die man früher ohne Zögern als Axiome anerkannt hatte, wurden schon zu der Zeit, die hier in Betracht kommt, als unhaltbar verworfen. Wie absurd war es also von diesen Leuten, sich in ihrem Glauben an die "Axiome" als unveränderliche Grundlagen der Wahrheit zu versteifen! Selbst ihre vernünftigsten Denker noch machen es einem leicht, die Nichtigkeit und Unhaltbarkeit ihrer Axiome nachzuweisen. Wer war der vernünftigste Logiker jener Zeit? Lass mich mal überlegen! Ich will schnell Pundit fragen und bin in einer Minute zurück … Ah, ich hab’s! Es gibt ein Buch, das vor ungefähr tausend Jahren geschrieben und kürzlich aus dem Englischen, das, nebenbei gesagt, die Grundlage der amerikanischen Sprache gewesen zu sein scheint, übersetzt worden ist. Pundit sagt, es sei entschieden das beste alte Werk über Logik. Der Autor, der zu seiner Zeit sehr geschätzt war, war ein gewisser Miller oder Mill, und als wichtige Tatsache finden wir verzeichnet, dass er ein Mühlpferd namens Bentham besaß. Doch wollen wir uns nun zum Buche selbst wenden.

Ah! — "Die Fähigkeit oder Unfähigkeit, zu begreifen," sagt Herr Mill ganz richtig, "ist in keinem Fall als Kriterium axiomatischer Wahrheit anzusehen." Welcher wirklich Moderne würde je daran denken, diese Wahrheit zu bestreiten? Das einzige, was uns verwundern kann, ist, dass Mill es für nötig achtete, überhaupt etwas so Selbstverständliches zu erwähnen. Soweit gut; nun zu einer anderen Behauptung. Was finden wir hier? — "Sich widersprechende Behauptungen können nicht beide wahr sein, das heißt, sie können nicht in der Wirklichkeit koexistieren." Hier glaubt Mill z. B., dass ein Baum entweder ein Baum oder kein Baum sei, dass er unmöglich gleichzeitig ein Baum und kein Baum sein könne. Sehr gut; aber ich frage ihn: warum? Seine Antwort ist diese und will einfach nur diese sein: "Weil es unmöglich ist, zu begreifen, dass von widersprechenden Behauptungen beide wahr sein können." Aber das ist nach seinen eigenen Ausführungen überhaupt keine Antwort; denn hat er nicht eben als Wahrheit aufgestellt, dass "die Fähigkeit oder Unfähigkeit, zu begreifen nicht als Kriterium axiomatischer Wahrheit" betrachtet werden kann?

Nun beklage ich mich über diese früheren Philosophen nicht so sehr deswegen, weil ihre Logik, ihren eigenen Äußerungen zufolge, äußerst wertlos, phantastisch und ohne Basis ist, sondern wegen ihrer imbezillen Anmaßung, dreist alle anderen Wege zur Wahrheit, alle anderen Mittel zu ihrer Erreichung zu verwerfen und die Seele, die nichts so sehr liebt, als sich aufzuschwingen, auf die beiden verkehrten Wege- den des Schleichens und den des Kriechens — zu zwingen.

Nebenbei, mein lieber Freund, glaubst du nicht, dass es diese alten Dogmatiker in Verlegenheit gebracht haben würde, wenn sie hätten entscheiden sollen, auf welchem ihrer beiden Wege wohl die wichtigste und erhabenste ihrer Wahrheiten tatsächlich erreicht worden ist? Ich meine das Gravitationsgesetz. Newton verdankte es Kepler. Kepler gab zu, dass seine drei Gesetze auf Mutmaßungen beruhten — diese drei Gesetze, die vor allen andern die großen englischen Mathematiker zu seinem Prinzip führten, zu der Grundlage aller physikalischen Prinzipien, zu deren Verständnis wir das Reich der Metaphysik betreten müssen. Kepler mutmaßte, d. h. er erfand. Er war seinem Wesen nach ein "Theoretiker", ein heutzutage hochgeachtetes, damals aber verächtliches Wort. Würden ferner diese alten Mondkälber nicht auch in Verlegenheit geraten sein, wenn sie hätten erklären müssen, auf welchem der zwei "Wege" ein Kryptograph zur Entschleierung eines ungewöhnlich schwierigen Kryptogramms gelangt oder welchen der beiden Wege Champollion benutzte, um die Menschheit zu jenen unvergänglichen und fast zahllosen Wahrheiten zu führen, die der Entzifferung der Hieroglyphen entsprangen?

Noch ein Wort über diese Frage, und ich höre auf, Dich zu langweilen. Ist es nicht erstaunlich, dass diese verblendeten Leute mit all ihrem ewigen Geschwätz über die Wege zur Wahrheit gerade den verfehlten, den wir jetzt so klar als die gerade Straße erkennen — den Weg der Folgerichtigkeit? Erscheint es nicht merkwürdig, dass sie es versäumten, aus den Werken Gottes den hochwichtigen Schluss zu ziehen, dass eine vollkommene Folgerichtigkeit eine absolute Wahrheit sein müsse! Wie einfach ist unser Fortschritt seit dem späten Bekanntwerden dieses Lehrsatzes gewesen! Die Forschung ist diesen Mondkälbern aus der Hand genommen und den wahren, einzig wahren Denkern, den Männern von lebhafter Einbildungskraft, übertragen worden. Diese theoretisieren. Kannst Du Dir das verächtliche Geschrei vorstellen, das unsere Vorfahren bei diesen Worten ausstoßen würden, wäre es ihnen möglich, eben jetzt über meine Schulter zu sehen? Die heutigen Forscher theoretisieren, wie ich sagte; ihre Theorien werden einfach verbessert, reduziert, in Systeme gebracht — nach und nach von den Schlacken ihrer Inkonsequenz befreit — bis endlich eine vollkommene Folgerichtigkeit klar zutage tritt, die auch von den Albernsten als absolute und fraglose Wahrheit erkannt wird, eben weil sie eine Folgerichtigkeit ist.

4. April. — Das neue Gas tut im Verein mit der neuen Verbesserung des Guttaperchas Wunder. Wie sicher, bequem, leicht lenkbar und in jeder Beziehung zweckmäßig sind unsere modernen Ballons! Eben nähert sich uns ein riesenhafter im Tempo von mindestens hundertfünzig Meilen in der Stunde. Er scheint mit Menschen überfüllt zu sein (er befördert wohl dreihundert bis vierhundert Insassen). Trotzdem erhebt er sich zu einer Höhe von beinahe einer Meile und blickt auf uns Arme mit souveräner Verachtung herab. Immerhin sind hundert, ja sogar zweihundert Meilen in der Stunde ein Bummeltempo. Erinnerst Du Dich an unsern Flug mit der Bahn durch den kanadischen Kontinent? — Volle dreihundert Meilen in der Stunde; das war Reisen. Nichts zu sehen — als einzige Beschäftigung Flirt, Feste, Tanz in den glänzenden Salons. Erinnerst Du Dich, welch seltsames Gefühl wir empfanden, wenn durch Zufall ein Blick auf die Außenwelt fiel, während der Zug sich in voller Fahrt befand? Alles wirkte als Einheit, als Masse. Was mich betrifft, so muss ich zugestehen, dass ich die Fahrt im Bummelzug, etwa hundert Meilen in der Stunde, vorzog. Da konnten wir Glasfenster haben, sie sogar offen lassen, und es war möglich, einen einigermaßen deutlichen Ausblick auf die Gegend zu genießen … Pundit sagt, dass der Weg der kanadischen Eisenbahn schon vor ungefähr neunhundert Jahren bis zu einem gewissen Grade bezeichnet gewesen sein muss! Er geht sogar so weit, zu behaupten, dass sichtbare Spuren des Schienenweges noch heute wahrnehmbar seien und dass diese Spuren auf eine so weit zurückliegende Periode zurückgeführt werden könnten. Anscheinend bestand damals nur ein Doppelgeleise; jetzt besitzen wir, wie Du weißt, ein zwölffaches, und drei bis vier neue sind in Vorbereitung. Die früheren Geleise sind sehr schwach fundiert und liegen so nahe nebeneinander, dass sie nach heutigen Begriffen leichtsinnig, wenn nicht sogar außerordentlich gefährlich genannt werden können. Hält man doch die jetzige Dammbreite von fünfzig Fuß kaum für sicher genug. Ich persönlich bezweifle durchaus nicht, dass irgendeine Art von Schienenweg in lang zurückliegenden Zeiten existiert haben muss, wie dies Pundit versichert; denn mir erscheint nichts so selbstverständlich, als dass zu irgendeiner Zeit, die mindestens siebenhundert Jahre zurückliegen mag, der nördliche kanadische Kontinent mit dem südlichen vereinigt war; die Kanadier waren demnach sicher durch die Notwendigkeit gezwungen, eine große Bahnverbindung durch den Kontinent zu führen.

5. April. — Die Langeweile verzehrt mich. Pundit ist der einzige Mensch an Bord, mit dem man sich unterhalten kann; aber ach, der arme Kerl! Er kann von nichts sprechen als von der Vorzeit. Er hat sich den ganzen Tag damit beschäftigt, mir die Überzeugungen beizubringen, dass die alten Amerikaner sich selbst regiert hätten! Hat je irgendwer solchen Unsinn gehört? Dass sie in einer Art von Jeder-für-sich-Vereinigung lebten, nach der Art der "Präriehunde", von denen wir im Märchen hören. Er sagt, dass sie von der denkbar tollsten Idee ausgingen, nämlich, dass alle Menschen frei und gleich geboren seien; — und dies den Gesetzen der Abstufung zum Trotz, die doch so sichtlich allen Dingen im moralischen und physischen Universum aufgeprägt sind. Jeder "wählte", wie sie es nannten, d. h. er mischte sich in die öffentlichen Angelegenheiten, bis man schließlich zu der Einsicht kam, dass viele Köche den Brei verderben und dass die "Republik" (dies war der Ausdruck für das abgeschmackte Ding) eigentlich überhaupt nicht regiert wurde. Übrigens wird behauptet, dass der erste Umstand, der die Selbstherrlichkeit der Philosophen, die diese "Republik" aufgebaut hatten, ganz besonders störte, die überraschende Entdeckung war, dass das allgemeine Wahlrecht Gelegenheit zu sehr betrügerischen Intrigen gab, durch welche jede beliebige Anzahl von Stimmen von jeder beliebigen Partei — sie musste nur gemein genug sein, sich ihren Betrügereien nicht zu schämen — zu jeder Zeit erhalten werden konnte, ohne dass Vorsichtsmaßregeln oder Aufdeckung des Unrechts möglich gewesen wäre. Nach dieser Entdeckung war nur mehr einige Überlegung nötig, um die Konsequenzen klar darzulegen; nämlich, dass das Lumpenpack zur Herrschaft kam, mit dem Wort, dass eine republikanische Regierung nie einen anderen Charakter als einen schuftigen haben könnte. Während nun die Philosophen im Begriff waren, sich über ihre eigene Torheit und den Mangel an Voraussicht diesen unvermeidlichen Übelständen gegenüber zu schämen, und sich anstrengten, neue Theorien zu finden, wurde die Sache zu einem plötzlichen Abschluss gebracht durch einen Kerl namens Mob, der alles und jedes an sich riss und einen Despotismus heraufführte, gegen den die Herrschaft der berühmten Zeros und Hellofagabalusse erträglich und erfreulich war. Man sagt, dass dieser Mob (übrigens ein Fremder) der abscheulichste aller Menschen gewesen sei, die je die Erde verwirrt hätten. Er war an Größe ein Riese, unverschämt, räuberisch, unflätig; zornig wie ein Stier, mit dem Herzen einer Hyäne und dem Gehirn eines Pfauen. Er starb schließlich durch den Druck der eigenen Energien, die ihn erschöpften. Trotz alledem war auch er, wie jedes Ding, auch wenn es noch so niedrig ist, von Nutzen. Die Menschheit lernte von ihm eine Lehre, welche sie bis zum heutigen Tage nicht vergessen hat, nämlich die, sich niemals in unmittelbaren Widerspruch zu den Analogien zu setzen. Was nun den Republikanismus betrifft, so konnte für ihn auf der ganzen Erde keine Analogie gefunden werden, wenn wir nicht den Fall der "Präriehunde" ausnehmen wollen, eine Ausnahme, die mehr als irgend etwas anderes zu beweisen scheint, dass die Demokratie eine wundervolle Regierungsform ist — für Hunde.

6. April. — Heute nacht hatten wir einen tadellosen Blick auf Alpha Lyrae, dessen Scheibe durch das Fernrohr unseres Kapitäns einen Winkel von einem halben Grad misst und ein Bild bietet, wie unsre Sonne an einem nebligen Tag. Alpha Lyrae ähnelt, obgleich er viel größer ist, unsrer Sonne in bezug auf Flecken, Atmosphäre und viele andere Einzelheiten. Pundit sagt, dass das binärische Verhältnis, das zwischen diesen beiden Weltkörpern besteht, erst im letzten Jahrhundert geahnt wurde. Die evidente Bewegung unsers Systems im Himmelsraume wurde seltsamerweise einer Bahn zugeschrieben um einen ungeheuren Stern im Mittelpunkt der Milchstraße. Es wurde behauptet, um diesen Stern der mindestens um ein allen Welten der Milchstraße gemeinsames Gravitationszentrum, von dem man vermutete, dass es in der Nähe des Alkyon in den Plejaden liege, drehten sich alle diese Himmelskörper, wobei unser eigener den Umlauf in der Zeit von hundertsiebzehn Millionen Jahren vollbringe. Wir jedoch, mit unserm heutigen Wissen, mit unsern ungeheuren teleskopischen Verbesserungen usw. finden es natürlich schwierig, den Ursprung eines solchen Gedankenganges zu erfassen. Der erste Vertreter des Gedankens war ein gewisser Mudler. Wir müssen vermuten, dass er zunächst durch einfache Analogie zu dieser gewagten Hypothese kam. Aber wenn dies schon der Fall war, so hätte er wenigstens auch bei der Entwicklung die Analogie beibehalten müssen. Ein großer Zentralkörper wurde tatsächlich vorausgesetzt; insofern war Mudler im Recht. Dieser Zentralkörper hätte aber dynamisch größer sein müssen als alle ihn umgebenden Körper zusammengenommen. Man hätte dann aber folgendermaßen fragen müssen: "Warum sehen wir ihn nicht?!" — Wir besonders, die wir uns in der Mitte des Schwarms befinden, in dessen Nähe sich doch auf alle Fälle diese unfassbare Zentralsonne befinden müsste. An diesem Punkt hat sich vielleicht der Astronom mit der Annahme eines nicht leuchtenden Körpers geholfen, und hier hat er die Analogie plötzlich fallen lassen. Aber selbst wenn er den Körper als nicht leuchtend annahm, wie brachte er es fertig, zu erklären, dass er nicht durch das unübersehbare Heer herrlicher Sonnen sichtbar wurde, die ja von allen Richtungen her ihn beleuchten mussten? Zweifellos war der endgültig festgehaltene Schluss die Annahme, dass ein allen sich bewegenden Körpern gemeinsames Gravitationszentrum existiere. Aber auch hier musste man die Analogie fallen gelassen haben. Es ist wahr, dass unser System sich um ein gemeinsames Gravitationszentrum dreht, aber es tut dies in Abhängigkeit von einer materiellen Sonne, deren Masse das übrige System mehr als aufwiegt. Der mathematische Kreis ist eine Kurve, die aus einer Unzahl von geraden Linien besteht; aber die Vorstellung dieses Kreises — die wir in aller Erdgeometrie als die mathematische bezeichnen im Gegensatz zu der praktischen Vorstellung — ist, als Tatsache genommen, eine Voraussetzung, die wir allein in bezug auf jene titanischen Kreise anzunehmen ein Recht haben, mit denen wir in unserer Einbildung rechnen, wenn wir unser System mit seinen Gefährten um einen Zentralpunkt in der Milchstraße kreisen lassen. Spornt die stärkste menschliche Einbildungskraft, auch nur den Versuch der Vorstellung eines so unfassbaren Kreises zu machen! Es würde schwerlich paradox sein, zu behaupten, dass ein Blitzstrahl, der streng auf der Peripherie dieses unfassbaren Kreises sich bewegt, in einer geraden Linie verlaufen müsste. Unmöglich wäre es, wahrzunehmen, dass der Weg unsrer Sonne auf einer solchen Peripherie, dass die Richtung unsres Systems auf einer solchen Bahn für menschliche Beobachtung, selbst wenn sie Jahrmillionen dauerte, auch nur im leisesten Grade von der geraden Linie abweicht. Und trotzdem hatten sich diese früheren Astronomen augenscheinlich mit dem Glauben geschmeichelt, dass eine entschiedene Kurve während der kurzen Spanne ihrer astronomischen Geschichte, während eines einfachen Augenblicks, während dieses absoluten Nichts von zwei oder drei Jahrtausenden wahrnehmbar geworden sei! Wie unbegreiflich, dass solche Überlegungen sie nicht mit einem Schlage über den wirklichen Stand der Dinge aufklärten, über die binäre Umdrehung unserer Sonne und des Alpha Lyrae um ein gemeinsames Gravitationszentrum!

7. April. — Letzte Nacht haben wir unsre astronomischen Beobachtungen fortgesetzt. Wir hatten einen feinen Ausblick auf die fünf Begleiter des Neptun und betrachteten mit großem Interesse das Aufstellen eines ungeheuren Kämpfers auf ein paar Giebelbalken am neuen Daphnistempel im Monde. Es war interessant, sich zu überlegen, dass so winzige Wesen wie die Mondbewohner, die so wenig Ähnlichkeit mit den Menschen haben, eine so große mechanische, unsrer so weit überlegene Befähigung zeigen. Es ist auch schwer, sich vorzustellen, dass die ungeheuren Massen, mit denen die Mondbewohner so leicht umgehen, so wenig Gewicht haben, wie es unser Verstand lehrt.

8. April. — Heureka! Pundit strahlt vor Stolz. Ein aus Kanada kommender Ballon sprach heute mit uns und warf uns einige Zeitungen an Bord; sie enthalten außerordentlich wichtige Nachrichten über kanadische oder vielmehr amerikanische Altertümer. Ich glaube, es ist Dir bekannt, dass seit Monaten Arbeiter damit beschäftigt sind, die grundlegenden Vorbereitungen zu einem neuen Brunnen im Paradiese, dem größten Lieblingsgarten des Kaisers, zu treffen. Es scheint, dass das Paradies seit unvordenklichen Zeiten eine Insel gewesen ist; d. h. seine nördliche Grenze war, so weit die Erinnerung zurückreicht, immer ein Flüsschen oder vielmehr ein sehr schmaler Meeresarm. Dieser Arm wurde allmählich verbreitert, bis er seine jetzige Breite von einer Meile erreichte. Die Gesamtlänge der Insel beträgt neun Meilen; die Breite ist verschieden. Das ganze Gelände war, wie Pundit behauptet, vor etwa achthundert Jahren dicht mit Häusern bebaut, von denen manche zwanzig Stock Höhe hatten. Der Grund und Boden wurde aus irgendeinem unbegreiflichen Grunde für ganz besonders wertvoll in dieser Gegend gehalten. Das schreckliche Erdbeben des Jahres zweitausendundfünfzig zerstörte die Stadt (sie war fast zu groß, um den Namen Dorf zu führen) von Grund aus, so dass auch die unermüdlichsten unter unsern Altertumsforschern niemals imstande waren, von dieser Stadt irgendwelche ausreichenden Denkmale, wie Münzen, Medaillen oder Inschriften, aufzutreiben; nichts, mit dem sie auch nur den Schein einer Theorie über Lebensart, Sitten usw. der ursprünglichen Einwohner hätten aufbauen können. Alles, was wir von ihnen wissen, beschränkt sich im wesentlichen darauf, dass sie ein Teil des Knickerbockerstammes der Wilden waren, die den Kontinent zur Zeit seiner ersten Entdeckung durch Recorder Riker, Ritter des Goldenen Vließes, unsicher machten. Sie waren durchaus nicht unzivilisiert; verschiedene Künste und Wissenschaften standen bei ihnen in Blüte, allerdings in einer ihnen eigentümliche Weise. Man erzählt sich von ihnen, sie seien in vielen klug gewesen, jedoch merkwürdig belastet mit der Monomanie, Gebäude aufzuführen, die man in der alten amerikanischen Sprache "Kirchen" nannte — eine Art von Pagoden zur Aufstellung von zwei Idolen, die man unter dem Namen Reichtum und Mode verehrte. Man behauptet, dass schließlich neun Zehntel dieser Insel "Kirche" waren. Es scheint, dass die Frauen auf seltsame Art entstellt waren durch einen natürlichen Auswuchs, der genau unter dem Kreuz lag, jedoch hielt man diese Deformität damals erstaunlicherweise für schön. Ein oder zwei Bildnisse von solchen Frauen sind wie durch ein Wunder bis auf unsre Tage gekommen. Sie sehen toll aus, sehr ähnlich einem Wesen zwischen einem Truthahn und einem Dromedar.

Diese wenigen Einzelheiten waren im großen und ganzen alles, was wir von den alten Knickerbockers wussten. Doch schient jetzt durch Arbeiter ein neuer Fund gemacht worden zu sein. Als sie im Mittelpunkt des kaiserlichen Garten, der, wie Du weißt, das ganze Eiland bedeckt, gruben, deckten einige von ihnen einen würfelförmigen, offenbar mit dem Meißel bearbeiteten Granitblock von einigen hundert Pfund auf. Er war in gutem Zustande und durch das Erdbeben, das ihn verschüttet hatte, nur wenig beschädigt. Auf einer seiner Flächen befand sich eine Marmortafel mit, stell’ Dir vor! einer Inschrift — einer leserlichen Inschrift! Pundit ist in Ekstase. Als man die Marmortafel vom Steine löste, wurde eine Aushöhlung frei, in der man kleine bleierne, mit verschiedenen Münzen angefüllte Kassette, eine lange Namensliste, einige Dokumente, die wie Zeitungen aussahen, und verschiedene andere, für den Altertumsforscher sehr interessante Dinge fand. Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass alle diese Sachen echte amerikanische Altertümer sind, die dem Knickerbockerstamme gehörten. Die Zeitungen, die uns an Bord geworfen wurden, sind mit Abbildungen von Münzen, Manuskripten, der Typographie und anderm angefüllt. Um Dir Freude zu machen, schreibe ich hier die Knickerbockerinschrift der Marmortafel ab:

Dieser Eckstein

eines Monumentes zur Erinnerung an

George Washington

wurde mit gebührender Zeremonie am

19. OKTOBER 1847,

dem Jahrestage der Übergabe von

LORD CORNWALLIS

an

GENERAL WASHINGTON

in Yorktown, A. D. 1781,

unter den Auspizien der Washington

Monument Association der Stadt

New York gelegt

Was ich Dir hier schreibe, ist eine wörtliche Übersetzung, die Pundit selbst verfertigt hat; sie kann also keinen Irrtum enthalten. Aus diesen wenigen uns erhaltenen Worten sind mehrere wichtige wissenschaftliche Aufklärungen zu entnehmen. Zum Interessantesten gehört die Tatsache, dass vor tausend Jahren die wirklichen Monumente nicht mehr gebräuchlich waren, wie dies ja auch sehr richtig ist, und dass man sich, genau wie wir heute, damit begnügte, die Absicht, in späterer Zeit ein Monument aufzuführen, dadurch anzudeuten, dass man einen Grundstein als Zeugen des erhabenen Gedankens sorgsam legte, "einsam und allein". (Entschuldige, dass ich den großen amerikanischen Dichter Benton zitiere.) Wir stellen mit Hilfe dieser wunderbaren Inschrift auch mit Sicherheit das Wie, Wo und Was der erwähnten Übergabe fest. Was das Wo betrifft, nun, das war Yorktown (wo dies auch gelegen haben mag); das Was war General Cornwallis (zweifellos ein reicher Kornhändler). Er wurde übergeben. Die Inschrift erwähnt die Übergabe von — Was? Nun, "von Lord Cornwallis". Bleibt die einzige Frage bestehen, warum wollten die Wilden ihn denn ausgeliefert haben? Aber wenn wir uns daran erinnern, dass diese Wilden zweifellos Kannibalen waren, so liegt der Schluss nahe, das sie ihn zu Wurst bestimmten. Was nun das Wie der Übergabe betrifft, so kann nichts deutlicher ausgedrückt sein. Lord Cornwallis wurde ausgeliefert (zur Wurstfabrikation) "unter den Auspizien der Washington Association", die sicher eine Wohlfahrtseinrichtung für Grundsteinlegungen war. — Aber Himmel! was ist los? Ah, ich sehe, unser Ballon kollabiert, wir werden in die See fallen. Darum habe ich gerade nur noch Zeit, hinzuzufügen, was ich beim schnellen Überblick über die Abbildungen der Zeitungen usw. entdecke: nämlich, dass die größten Männer jener zeit bei den Amerikanern ein gewisser John, seines Zeichens ein Schmied, und ein gewisser Zaccharias, ein Schneider, waren.

Lebe wohl, bis auf Wiedersehn! Es ist durchaus von keiner Wichtigkeit, ob Du jemals diesen Brief erhältst oder nicht, da ich ja im wesentlichen zu meinem eigenen Vergnügen schreibe. Für alle Fälle werde ich das Manuskript in einer Flasche verkorken und in die See werfen.

In Treue

Pundita.